Schienenverkehr von morgen So sollen die Bahnen besser werden

Nächste Haltestelle: Marienplatz. Doch vielleicht verlassen Sie bald die Bahn dort nicht mehr durch eine Türe - die ganze Seite des Fahrzeugs könnte sich öffnen. Diese und andere Ideen diskutieren Mobilitätsexperten, um den Schienenverkehr der Zukunft effizienter zu gestalten.

Von Klaus C. Koch

Summa summarum zu Mobilität "Man wird alles Mögliche fahren, nicht nur Autos"

Wo geht die Reise hin in Sachen Mobilität? Fahrräder in der Stadt, Elektroautos auf dem Land? Klar ist, das große Geld verdienen die Autokonzerne noch mit ihren dicken Fahrzeugen. Aber gerade im europäischen Raum wird immer mehr umgedacht, oder? Ein Zwiegespräch in der Rikscha.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: dpa)

Rajesh Singh, gebürtig in Indien und Ingenieur von Beruf, könnte sich vorstellen, den Verkehr der Zukunft auf mehreren Etagen, aber nur mit einer einzigen Trasse abzuwickeln. Auf der Oberseite einer auf Stelzen verkehrenden Hochbahn könnten Schnellzüge im Fernverkehr fahren. Eingehängt an Stahlträgern würden auf der Unterseite langsamere S-Bahnen oder Vorortzüge durch die Stadt schweben und kleinere Haltestellen bedienen.

Auf doppeltem Boden würde sich auch der Nonstopzug eines aus Taiwan stammenden Ideengebers bewegen. Bauingenieur Peng Yu-lun bemängelt, dass moderner Schienenverkehr zwar immer neue Geschwindigkeitsrekorde aufstelle. Aber in der Realität sei es doch so, dass durch die vielen Stopps in kleineren Orten die Durchschnittsgeschwindigkeit auf weniger als die Hälfte sinke. Wenn der Zug gar nicht halten müsste, sondern auf einer parallel verlaufenden Schiene jeweils nur einen kleinen Satelliten abhänge, der am Bahnsteig bremse und vom nächsten Zug wieder aufgenommen würde, könnte das Aus- und Einsteigen "wie im Fluge" erfolgen.

Umfrage zu Mobilität "Auto? Brauche ich nicht"

Die Benzinpreise befinden sich auf einem neuen Höchststand. Wirkt sich das auf das Fahrverhalten aus? Bleibt das Auto nun öfter in der Garage stehen, oder können viele gar nicht auf das Auto verzichten? Eine Videoumfrage von Anja Schröger und Anton Porsche.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Sueddeutsche.de)

Verschiedene Konzepte auf der Innotrans

Mehr als zweihundert solcher Einfälle wurden unlängst auf der weltgrößten Schienenverkehrsmesse, der Innotrans in Berlin, präsentiert. Während Siemens, von der Schiene bis zur Solartechnik auf zahlreichen Baustellen unterwegs, seine urbanen Aktivitäten seit Kurzem unter "Infrastrukturen und Städte" zusammengefasst hat, rief die Konkurrenz zu einem weltweiten Ideenwettbewerb auf. Der Regionalflugzeug- und Schienenfahrzeughersteller Bombardier sammelte in einem Projekt namens YouCity Vorschläge für künftige Verkehrskonzepte in so unterschiedlichen Metropolen wie London, der aufstrebenden Drei-Millionen-Einwohner-Stadt Belo Horizonte (Brasilien) und Vientiane, der Hauptstadt von Laos.

So sehr etwa die Taktfolge von U- und S-Bahnen auch verkürzt werde, um mehr Passagiere in kürzerer Zeit von A nach B bringen zu können, so wenig scheinen doch Engpässe vermeidbar, wie sie beim Ein- und Aussteigen entstehen. Denn jedes Mal, wenn sich die Türen öffnen, erklärt Projektleiter Laurent Letourneux, stehen sich mindestens drei Personengruppen im Weg: Diejenigen, die einsteigen möchten, müssen warten, bis die Aussteigenden draußen sind, während andere, die im Weg stehen, in diesem Moment noch gar nicht, sondern erst beim nächsten Halt raus wollten. Experten sprechen von einem Flaschenhals, der einer schnelleren An- und Abfahrt im Weg sei.