Praxistest: Opel Tigra TwinTop 1.4 Offene Beziehung

Klein, pfiffig, offen - der Opel Tigra Twin Top ist ganz augenscheinlich ein Spaßauto. Aber eines für jeden Tag und jede Jahreszeit: mit Klappdach, Platz und großem Kofferraum. Der richtige Einstieg in die Open-(Opel?-)Air-Klasse.

Von Von Jürgen Wolff

An den Namen Tigra erinnert man sich bei Opel eigentlich gar nicht so gerne: Der als Rüsselsheimer Kugelblitz gedachte Kompakt-Sportwagen erwies sich als Knallfrosch - die Produktion wurde 2000 eingestellt. Dabei war er vor allem deshalb gebaut worden, weil die entsprechende Studie seinerzeit auf allen Automessen begeistert gefeiert worden war.

Opel Tigra Praxistest: Opel Tigra TwinTop 1.4

18 Sekunden bis zum Himmel: Tigra öffnet sich.

(Foto: Foto: pressinform)

Nur die Umsetzung des Entwurfs in die Praxis haben die Opelaner dann nicht geschafft - zu viel biedere Hausmannskost im Detail bremste die Emotionen, die von der Studie noch in Wallung gebracht worden waren. Kurz: Idee gut - Umsetzung eine Pleite.

Chance und Charakter

Aber gute Ideen reifen mit der Zeit - und so dachte man sich bei Opel: Geben wir dem Tigra noch eine zweite Chance. Und das ist gut so. Denn als schnuckeliges Cabrio-Coupé mit Alltagsnutzen liegt der Tigra Twin Top nun voll auf der Linie, die einst von der Studie so überzeugend vorgezeichnet worden war.

Mit einem Mal übersieht man auch gnädig die kleinen Sünden, die man dem "alten" Tigra nie verziehen hat. Zum Beispiel, dass die Instrumentierung links und rechts des Lenkrads aus dem Opel-Einstiegsmodell Corsa stammt. Was soll's: Ein Auto ohne Fehler ist ein Auto ohne Charakter.

Und Charakter hat der 3,92 Meter kurze Twin Top. Der Grill mit dem dominanten Opel-Blitz, die ausgeprägte Keilform, die von der opel-typischen Bügelfalte noch unterstrichen wird, die matten Chromflächen und formprägenden Klarglasleuchten vorne, die üppigen Lufteinlässe in der Frontschürze - da schaut man doch gerne hin.

Zumal die Ingenieure bei Opel so manches optische Problem elegant gelöst haben, mit dem sich die Konkurrenz noch herumschlägt: Die spezielle Faltmechanik des Daches sorgt beim Twin Top dafür, dass er ohne das anderswo konstruktionsbedingte Pummelheck auskommt.

Ein Wagen zu jeder Jahreszeit

Geschlossen ist der Tigra Twin Top nicht nur wohlproportioniert, sondern auch ganzjahrestauglich. Ein formschönes Coupé, das schlüpfrig im Wind liegt, gut nach außen isoliert ist - und über einen für diese Klasse rekordverdächtigen Kofferraum verfügt: 440 Liter Volumen bieten Platz genug für gleich ein paar Getränkekisten samt Wocheneinkauf oder für das Gepäck auch eines längeren Urlaubs.

Die Ladekante ist zwar etwas hoch, was Muskelarbeit beim Beladen nötig macht. Aber dafür kommt die Kofferraumöffnung so groß und ausladend, dass man alles ohne zu viel Maßarbeit hineinhieven kann.

Etwas lästig ist, dass sich die Kofferraumklappe nur elektromotorisch öffnen und schließen läßt. Ab und an ist Handarbeit einfach schneller. Ärgerlich auch, dass man nur bei geschlossenem Verdeck und leerem Laderaum an das Reserverad kommt.

Immerhin: Selbst mit offenem Dach bietet der Laderaum unter dem Klappdach auch noch 250 Liter - auch das ist mehr als ordentlich. Dazu kommt ein 70 Liter großes praktisches Staufach hinter den Sitzen.

Alles perfekt...

Vom geschlossenen in den offenen Zustand läßt sich der Twin Top elektrohydraulisch auf Knopfdruck binnen 18 Sekunden versetzen. Das ist ampeltauglich - wenn man sich nicht verheddert. Denn um das Dach unter der Kofferraumhaube verschwinden zu lassen, muss man sich streng an ein vorgeschriebenes Ritual halten. Wer dabei was falsch macht, wird mit protestierendem Pfeifen bestraft.

Aber: Alles ist lernbar, auch das. Und wer die Handlungsfolge verinnerlicht hat, wird mit einem gepflegten Open-Air-Feeling belohnt.

Die Verwirbelungen halten sich ebenso in Grenzen wie die Lärmentwicklung, solange man sich in humanen Geschwindigkeiten bewegt. Aber wer will mit dem Tigra schon offen über die Autobahn brettern? Der ist eher was für kurvige Landstraßen und städtische Boulevards.