Opel Omega 2.5 V6 Beileibe keine Hausmannskost

Für 46 885 Mark gibt es eine rundum gelungene Limousine

(SZ vom 15.02.1995) Gerade in der automobilen Mittelklasse werden sich die einzelnen Modelle immer ähnlicher - eine Tendenz, die an dieser Stelle schon des öfteren beklagt worden ist: gefällige, abgerundete Formen allenthalben, die der Windkanal diktiert, die aber in einigen Jahren vielleicht gar nicht mehr goutiert werden. Doch rund muß kein schlechtes Attribut für ein Automobil sein - wenn sich dieses Wort auf den Gesamteindruck bezieht. Einen solchen, rundum gelungenen Eindruck hinterließ der Opel Omega 2.5 V6, mit dem wir uns einige Zeit beschäftigen konnten.

Von außen nicht gerade aufregend - dieser Omega könnte auch ein Ford oder ein Mazda sein -, offenbarte der Rüsselsheimer aber mit zunehmender Kilometerleistung seine inneren Qualitäten. Da war zum einen der Aspekt Komfort, der sich immer mehr in den Vorgrund drängte, je mehr Kilometer zurückgelegt worden waren: bequeme, ausreichend breite Sitze mit auch für große Menschen ausreichenden Verstellmöglichkeiten, eine großzügig dimensionierte Heizungs- und Lüftungsanlage, ausreichend Platz ebenfalls für die Hinterbänkler und ein Kofferraum, der auch das Gepäck für einen Skiurlaub problemlos faßt.

Zu den Pluspunkten des Omega zählt der weich laufende, aber dennoch kräftige 2,5-Liter-V6-Motor, der 125 kW (170 PS) bereitstellt. Akustisch unaufdringlich, aber sofort präsent, wenn Antrittskraft und Spurtvermögen gefragt sind, prädestiniert dieser V6 den Omega zu einer Reiselimousine, die auch den Vergleich mit größeren - und teureren - Automobilen der Oberklasse nicht zu scheuen braucht. Von den Kosten her bewegt sich dieses Omega-Modell im Bereich der gehobenen Mittelklasse, mit einem Preis von 46 885 Mark. Wer es noch üppiger liebt, kann zur CD-Version greifen, die mit 50 570 Mark zu Buche schlägt. Dafür gibt es dann noch das Beleuchtungspaket, elektrische Fensterheber vorne, ein Lederlenkrad und einen Bordcomputer.

Dieser meldete bei uns einen Durchschnittsverbrauch von 11,2 Liter unverbleitem Super-Kraftstoff auf 100 Kilometer - ein akzeptabler Wert angesichts des Leistungspotentials, wenngleich der Drittelmix mit 9,1 Litern angegeben ist. Weitere Zahlen für die Statistiker: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 223 km/h, nach 9,5 Sekunden kann die Tachonadel im Bestfall die 100-km/h-Marke passiert haben. Der 4,79 Meter lange und 1460 Kilogramm schwere Omega präsentiert sich sowohl auf der Autobahn als auch auf Landstraßen als komfortables Auto, das keinen ausgeprägt sportlichen Charakter besitzt. Daran mag auch das sanft, aber etwas träge schaltende Automatikgetriebe beteiligt gewesen sein, mit dem unser Wagen ausgestattet war.

Keine Kritikpunkte? Doch: Der Verstellbereich der Kopfstützen erweist sich als zu gering, und es fehlt an großflächigeren Ablagen für den Krimskrams des Autofahrerlebens. Außerdem sind die Außenspiegel etwas zu klein geraten - und sie verschmutzen relativ leicht. Alles nur peanuts? Mag sein, aber über Jahre gereifte Automobile wie der Omega können einfach gar nicht schlecht sein - im Gegenteil, wie das Top-Modell von Opel beweist.

Von Otto Fritscher