Opel Omega Kneifen gilt nicht

Die generalüberholte Limousine glänzt mit guter Ausstattung und einer frischeren Ausstrahlung

(SZ vom 04.09.1999) Opel und Oberklasse - zwei Begriffe, die in den letzten Jahren einfach nicht zusammenpassen wollten. Die meisten Autofahrer denken, wenn es um die Zugehörigkeit zur automobilen Champions League geht, spontan an die Nobelkarossen von Mercedes-Benz, BMW und neuerdings auch von Audi, während einem zu den Rüsselsheimern eher Worte wie Rückrufaktionen, Vorstandskrise und Bilanzierungstricks einfallen. Doch so leicht gibt das Traditionsunternehmen, das heuer seinen 100. Geburtstag feiert, nicht auf: Während die Kollegen aus Köln ihr erfolgloses Topmodell Ford Scorpio sang- und klanglos einschlafen ließen, unterzog Opel den Omega einer Generalüberholung. "Wir wollen im gehobenen Fahrzeugsegment eine Rolle spielen und haben deshalb mehr als 300 Millionen Mark in die Weiterentwicklung investiert," sagte Wolfgang Strinz, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, bei der Vorstellung des Omega-Modelljahrgangs 2000, der vom 9. Oktober an als neues Flaggschiff den Opel-Händlern Zulauf bescheren wird.

Der neue Omega soll vor allem das Etikett der Biederkeit abstreifen, das etwa seinem Vorgänger Senator anhaftete. Tatsächlich ist es den Designern gelungen, das Erscheinungsbild zu verjüngen. Natürlich ist der Omega 2000 durch eine veränderte Motorhaube mit V-förmiger Konturierung, einen neuen, chromumrandeten Kühlergrill, in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und vergrößerte Heckleuchten nicht gleich zu einem flippigen Gefährt mutiert, aber er wirkt doch erheblich frischer als der Vorgänger.

Bei der Renovierung des Innenraums scheint die Designer aber der Mut verlassen zu haben: Das Cockpit wirkt zwar mit den großen Skalen klar und sachlich, macht aber ebenso wie die eckigen Schalter und die riesengroße Bedieneinheit für Radio und Klimaanlage einen angestaubten Eindruck. Vielleicht widersetzten sich aber auch die Amerikaner einer weitergehenden Überarbeitung: Dort sind diese etwas klobigen Bedienfelder in Mode und schließlich wird der Omega jenseits des großen Teiches als Cadillac Catera verkauft. Und funktional ist die Armaturentafel auf jeden Fall richtig gestaltet: Der Knopf für die Warnblinkanlage ist so groß, dass andere Hersteller auf dessen Fläche fünf Knöpfe unterbringen.

Eindeutig lässt sich auch das Fahrverhalten des Omega klassifizieren: Das Pendel schlägt deutlich zur komfortablen Seite hin aus, was ja auch dem Charakter des Wagens als Reiselimousine angemessen ist. Auch die neue Einstiegsmotorisierung, ein 2,2-Liter-Vierzylindermotor mit 106 kW (144 PS), macht aus dem Omega keinen Sportler. Erst bei höheren Drehzahlen spannt dieses Aggregat die Muskeln an. Bei Bedarf kann sich der Fahrer in 10,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h katapultieren lassen, bei 210 km/h kapituliert der Motor vor den Kräften des Gegenwindes. Dafür gibt er sich bei den Abgas-Emissionen als Musterknabe: Der 2,2-Liter erfüllt die strenge D4-Abgasnorm und verbraucht durchschnittlich 9,4 Liter Super auf 100 Kilometer.

Der Einstiegspreis beträgt 50 150 Mark für die Limousine, wer den Caravan bevorzugt, muss - mit jeder Motorisierung - einen Aufschlag von 1530 Mark bezahlen. Als Antriebsalternativen stehen zwei V6-Motoren (2,5 Liter Hubraum, 125 kW/170 PS, 55 550 Mark oder 3,0 Liter Hubraum, 155 kW/211 PS, 63 310 Mark) zur Auswahl. Dieselfans können mit dem 2,0-Liter-Direkteinspritzer (74 kW/100 PS, 50 460 Mark) oder dem 2,5-Liter-Turbodiesel (96 kW/130 PS, 55 450 Mark) sparen.

Im nächsten Jahr kommt ein V8-Aggregat mit mehr als 300 PS dazu. Opel zeigt in der Oberklasse Flagge, denn. Kneifen gilt nicht.

Von Otto Fritscher