Opel Omega CD Sicher kein Mittelmaß in der Mittelklasse

Die Rüsselsheimer Limousine erfüllt alle Ansprüche an ein alltagstaugliches Automobil

(SZ vom 27.07.1994) Die Ansprüche, die an ein Automobil gestellt werden, sind nur teilweise nach objektiven Maßstäben zu messen: Eine moderne Limousine der Mittelklasse soll sicher, umweltverträglich, sparsam und nicht zu teuer sein. Soweit sind sich nicht nur alle Autofahrer einig, sondern auch die Hersteller, die schließlich nahezu ohne Ausnahme behaupten, Modelle in ihrem Programm zu haben, die angeblich die genannten Ansprüche erfüllen. Doch, so müssen wir erleben, gibt es immer noch Widersprüche zwischen Sein und Schein, zwischen Anspruch und Verwirklichung. Aber es gibt auch Glanzpunkte, die aus dem guten Durchschnitt herausragen - und so ein Fall ist für uns der neue Opel Omega, der im Frühjahr zu den Händlern rollte.

Wir haben uns ein bißchen näher der CD genannten Variante befaßt, die mit ihrem Preis von 49 415 Mark etwa in der Mitte der Omega-Preisspanne liegt, die von knapp 40 000 Mark bis mehr als 60 000 Mark reicht. Als Antriebsaggregat dient ein 2,5-Liter-Sechszylindermotor, der 125 kW (170 PS) bereitstellt. Damit ist man in jeder Lebenslage wirklich ausreichend motorisiert, so daß der Griff zum 40 PS stärkeren 3,0-Liter-V6 getrost unterbleiben kann. Der 24-Ventiler präsentierte sich auf langen Strecken als ein Aggregat, das sowohl schaltfaul im fünften, drehzahlsenkenden Gang gefahren werden kann, das aber auch bis weit über 6000 Touren dreht, wenn es einmal gefordert werden sollte. Als sehr angenehm stellt es sich auch dar, daß das maximale Drehmoment von 227 Nm schon bei 3200/min anliegt. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit liegt bei 223 km/h, der Spurt von Null auf 100 km/h kann in 9,5 Sekunden vollzogen werden.

Etwas mißtraut haben wir zunächst dem von Opel angegebenen Drittelmix- Verbrauch von 9,1 Liter unverbleitem Superkraftstoff auf 100 Kilometer. Aber bei vernünftiger Fahrweise lassen sich tatsächlich Verbrauchswerte von weniger als zehn Litern realisieren - ein bei der zur Verfügung stehenden Leistung sehr guter Wert. Das Fahrwerk stellt sich als ein gelungener Kompromiß zwischen Komfort und Sportlichkeit heraus. Es läßt den Fahrer oder die Fahrerin zwar nicht über den Zustand der Straße im unklaren, verzichtet aber darauf, jede Unebenheit den Bandscheiben zu melden.

Vom Design her ist der Omega japanischer geworden, von der Ausstrahlung hat er nichts mehr mit dem biederen Senator vergangener Tage gemeinsam. Doch die Rundlichkeit ist nicht übertrieben worden, so daß eine gefällige Limousine herausgekommen ist, die mit ihrer Keilform sogar einen Schuß Sportlichkeit aussstrahlt. Bei einer Außenlänge von 4,79 Metern darf ein großer Innenraum erwartet werden. Tatsächlich können fünf Personen sich im Omega wohlfühlen, und der Kofferraum ist auch dem Urlaubsgepäck einer vierköpfigen Familie gewachsen. Instrumentierung und Anzeigen sind ergonomisch korrekt angeordnet, so daß sich ein Lesen der Bedienungsanleitung erübrigt. Nur der gegen einen Aufpreis von 700 Mark lieferbare Tempomat könnte etwas geschickter angeordnet sein - die in den Blinkerhebel integrierten Tasten sind einfach zu klein, um präzise bedient werden zu können.

Der Omega ist sicher nicht das richtige Auto für Singles, die meistens in der Stadt unterwegs sind. Wer jedoch häufig lange Strecken zurücklegen muß, aber nicht bereit ist, viele tausend Mark für einen Imageträger auszugeben, der kann sich dem neuen Omega bedenkenlos nähern. Er ist zwar Mittelklasse, aber beileibe kein Mittelmaß.

Von Otto Fritscher