Oldtimerauktion in Palm Springs Der Auktionator rappt förmlich

Zwei Minuten wirft Nick, der Moderator, locker Zahlen in die Luft, - Leistung, Beschleunigung, Anzahl der Vorbesitzer -, dann zieht er das Tempo an. Der Auktionator verfällt in eine Art Sprechgesang. Er schnalzt mit der Zunge, dehnt die Vokale. Er verbindet Wörter nahtlos mit Zahlen, lässt keine Pausen. Wann immer er neue Gebote wiederholt, sind sie fast nicht zu verstehen. Zumindest für Frischlinge, die sich fragend umblicken. Vince, der schon ein paar Mal dabei war, flüstert "Er ist bei 3600." Und fügt grinsend hinzu: "Glaub' ich zumindest." Zehn Sekunden später brüllt der Moderator 4500 Dollar, schaut prüfend in die große Runde und klopft dreimal mit dem Hammer. Verkauft! Dann wiederholt er das Wort, diesmal als Frage formuliert: Verkauft? Ein prüfender Blick zum aktuellen Besitzer - der nickt, damit ist sein Ford weg. Und das McCormick-Team hat sich die erste Provision verdient.

Keine Minute später parkt der zweite Wagen vor den Gästen, ein dezent tiefergelegter Karmann Ghia, Erstzulassung 1968. Zwei ältere Männer in knallbuntenHaiwaiihemden rutschen aufgeregt auf ihren Stühlen hin und her, Nick singt seine Zahlen ins Mikrofon, Hände schnellen nach oben, der Preis klettert. Dann plötzlich springt eine Blondine Mitte zwanzig auf, läuft nach vorn, bietet mit, erobert das Herz der Konkurrenz und erhält den Zuschlag bei 7250 Dollar. Jubel. Der Nächste bitte.

Auto-Party läuft auf Hochtouren

Auktionen im Stakkato: Der Mann am Mikro macht den Takt.

Mittlerweile läuft die Auto-Party auf Hochtouren. Im Stakkato kommen pro Stunde rund fünfzehn Autos unter den Hammer. Der Mann mit dem Hammer redet seine Zuhörer in Stimmung, als wenn er ein Pferd zureiten würde. Die Stimmung ist erfrischend, auch wenn heute nur Häppchen gereicht werden. Samstag und Sonntag stehen Delikatessen wie ein perfekt restaurierter VW T1 Sambabus, ein DeLorean-Filmauto aus dem Streifen "Zurück in die Zukunft" sowie diverse alte Ferrari-, Mustang-, Chevy- und Jaguar-Modelle im Programmheft, das überall ausliegt. Wer nur zuschauen möchte, ist herzlich eingeladen. Freitags kostenlos, Samstag und Sonntag verlangt der Veranstalter Eintritt.

Viertel nach acht ist von der Sonne nicht mehr viel zu sehen, Nummer 99 fährt gerade ins Zelt: ein Oldsmobile Dynamic von 1961. "Jetzt ist die beste Schnäppchenzeit", erklärt Vince. Denn die ersten Besucher würden jetzt den Abend bereits in einem der Restaurants ausklingen lassen, andere stehen draußen auf dem Parkplatz und bestaunen ihre Neuanschaffung. 20 Autos hat der Moderator noch auf dem Zettel, seine Stimme klingt frisch wie vor sieben Stunden, sein Elan ist begeisternd. Mit dem Oldsmobile Dynamic hat er trotzdem kein Glück, das höchste Gebot liegt unter dem geforderten Mindestpreis. Oldies, die das Verkaufsziel nicht auf Anhieb erreichen, parken für den Rest des Auktionswochenendes auf dem Parkplatz. Mit ihrem "Noch zu haben"-Etikett halten sie die Spannung bis zur letzten Minute hoch. Auch wenn das Zelt schon längst wieder leer ist.