New York Autoshow Häppchen, Champagner und Promis

Wenn für Daniel Craig während der Rushhour ganze Straßen gesperrt werden und die Stadt von VIP-Shuttles überquillt, dann ist Autoshow in New York City. Außer Promis gab es diesmal trotzdem nur wenig Außergewöhnliches zu sehen.

Von Jörg Reichle Und Michael Specht

Die große Sause findet schon statt, bevor es richtig losgeht. Gesperrte Straßen, Blitzlichtgewitter, eine Armada von VIP-Shuttles. Am Vorabend der Motorshow hat Jaguar/Land Rover einen Teil der berühmten Moynihan Station in Manhattan gemietet, für an die 1000 Gäste, die die Weltpremiere des neuen Range Rover Sport beklatschen sollen. Zu ohrenbetäubenden Beats gibt es Häppchen, Champagner und diverse B-Promis.

Stargast des Abends aber ist Bond-Darsteller Daniel Craig, Pokerface und stahlblauer Blick. Wer die letzten Bond-Filme kennt, weiß, dass hier eine durchaus stabile Geschäftsbeziehung zwischen Film- und Autowelt entstanden ist, und so gibt sich Craig an diesem Abend die Ehre, das neue Edel-SUV höchstpersönlich durch Manhattan zu chauffieren - geradewegs auf die Bühne in der Moynihan Station. Beifall rauscht, doch der Mime ist wortkarg und schnell verschwunden. Im Interview mit ausgewählten Pressevertretern wird er später Dinge sagen wie, dass er gerne noch viel länger mit dem neuen Range Rover Sport gefahren wäre. Was dem Autobauer solche Sätze wert sind, darüber wird eisern geschwiegen, nur dass das Engagement teuer sei, sehr teuer sogar, gibt man zu.

Ohne Ford läuft es prima für Jaguar/Land Rover

Womöglich wäre das ganze Marketing-Tamtam gar nicht nötig, denn seit Jaguar/Land Rover den Fängen des letzten Eigentümers Ford Motor Company entkommen ist, laufen die Dinge bestens: zuletzt meist zweistellige Zuwachsraten auf den wichtigsten Märkten weltweit, dazu ein gut gemachtes neues Modell nach dem anderen. Dass der Range Rover Sport (neues bulliges Design, Alu-Karosse, drei Motoren mit 258 bis 510 PS, Hybridantrieb folgt Ende des Jahres) da eine Ausnahme macht, ist wenig wahrscheinlich.

Sowieso ist der neue Range aus europäischer Sicht eine der wenigen echten Neuheiten auf der New Yorker Motorshow, immerhin eines der drei großen Schaufenster der Branche auf dem wichtigen US-Markt. Dass der VW-Stand einmal kleiner sein könnte, als der von Fiat, galt bis dato als unvorstellbar, Porsche ist nur mit vier Autos überhaupt vertreten und die einzige echte Neuheit, die A3 Limousine, die im Frühjahr eine Antwort auf den Mercedes CLA geben wird, zeigt Audi gar nicht auf der Messe, sondern nur einigen Journalisten in einem verborgenen Studio am Hudson River. Offizielle Premiere wird erst auf der Messe in Shanghai im April sein. Auf dem Stand zeigt die VW-Tochter vor allem leistungsstarke Modelle in sportlicher S-Line-Version, grüne Modelle mit alternativen Antrieben sucht man, wie bei den meisten anderen Herstellern, dagegen vergeblich. Bei BMW zum Beispiel versteckt man gerade mal einen Hybrid-Dreier, von der hierzulande hochgepuschten Submarke i keine Spur - ebenso wenig wie von den chinesischen Herstellern übrigens.

Mercedes zeigt B-Klasse als Elektromodell

Wenigstens Mercedes spielt die Elektrokarte. Für die USA hat man neben dem CLA, der hier auch in der AMG-Version Premiere feiert, die B-Klasse als Zero Emission Vehicle (ZEV), als reines Elektrofahrzeug mit nach New York gebracht - neben dem Smart Electric Drive, der in den USA für 25.000 Dollar verkauft wird, das zweite E-Modell der Stuttgarter. Der Antriebsstrang und die Lithium-Ionen-Batterie der B-Klasse stammen vom amerikanischen Daimler-Partner Tesla. Der 136 PS starke Elektromotor aus dem Tesla S liefert 310 Newtonmeter Drehmoment und eine Reichweite von 200 Kilometer. Dafür reicht eine Ladezeit von vier Stunden.

Einen Preis nennt man noch nicht. Allerdings bekommen US-Kunden beim Kauf eines neuen E-Autos einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 7500 Dollar. Durch den Verkauf der beiden E-Modelle - sie gelten nach dem amerikanischen ZEV-Mandat als sogenannte Gold Cars - sammelt Daimler außerdem bereits wertvolle Bonuspunkte. Diese muss in den USA nach einem komplizierten Berechnungsschlüssel künftig jeder Großserienhersteller nachweisen, der dort Neuwagen verkauft.