Bahningenieure wollen die modifizierte Kurventechnik auch auf Doppelstockzüge übertragen. Der Hersteller Bombardier und die Schweizer Bundesbahnen haben einen ersten Versuch gewagt.
Wer bislang in Zügen mit Neigetechnik unterwegs war, den befiel bisweilen Übelkeit. Angeblich vertragen bis zu 30 Prozent der Reisenden die Ausgleichsbewegungen nicht, mit denen sich Schienenfahrzeuge wie der berüchtigte Pendolino, aber auch der Intercity Express ICE-T in die Kurve legen. Würde dieselbe Technik unverändert auf Doppelstockwagen übertragen, müssten die Zugbegleiter wohl doch irgendwann jene Tüten verteilen, in die Flugreisende in ähnlichen Fällen ihren Mageninhalt verteilen.
Bild vergrößern
Überbau: Doppelstockwagen von Bombardier
Anzeige
Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB und der Schienenfahrzeughersteller Bombardier sind davon überzeugt, das Problem mit einer sogenannten Wankkompensation, die die Schräglage ausgleicht, in den Griff zu bekommen - sogar für Doppelstöcker. Die Zulassung wird gleichermaßen für Deutschland, Österreich und die Schweiz angestrebt.
Die ansonsten durch ein gut funktionierendes Bahnsystem verwöhnte Schweiz stößt angesichts rapide zunehmender Fahrgastzahlen demnächst wieder mal an die Grenze dessen, was das Schienennetz gerade noch bewältigen kann. Dabei lassen sich nur wenige Strecken in dem von Bergen, Kurven und Serpentinen geprägten Alpenland so begradigen wie die bislang einzige Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Rothrist und Mattstetten, das Mittelstück der Verbindung zwischen Zürich und Bern.
Die Schweizer wollen daher verstärkt auf Doppelstockzüge im Intercity-Format setzen, die 40 Prozent mehr Sitzplätze bieten. Aber nicht nur das. Denn angesichts von Geschwindigkeiten um 200 km/h stellt das Kurvenverhalten ein ernstes Problem dar.
Der Kampf um jede Minute in einem bereits landesweit in der Art einer S-Bahn engmaschig vertakteten Fahrplan führt dazu, dass nun doch wieder vermehrt jene Technik zum Zug kommen soll, die wegen beträchtlicher Pannen und Ausfälle vielerorts mit Skepsis beäugt wird.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Thema
- Schiene-Wasser-Luft RSS
- Deutsche Bahn: Neue Doppelstockwagen Auf einer neuen Ebene 25.01.2011
- Neue Doppelstockzüge für die Bahn Mehr Platz in der ersten Etage 21.12.2009
- Schnellst-Züge Tiefflug auf der Schiene 17.10.2008
- ICE-Direktverbindung nach Kopenhagen Auf Linie gebracht 07.12.2007
- Istanbul: Mega-Projekt Zweiter Bosporus für Schiffe 28.04.2011
- Brenner-Basistunnel Augen zu und durch 18.04.2011
- Biokraftstoff für Passagierjets Bio geht in die Luft 04.04.2011
Spiel gegen Düsseldorf wird nicht wiederholt
Warum bringt eigtl die Süddeutsche noch nicht mal eine Meldung zum kürzlich abgeschlossenen größten Auftrag der deutschen Eisenbahngeschichte, als die DB-AG bei Siemens Mobility 300 Triebzüge (Projektname ICx) bestellt haben, die in den nächsten Jahren zunächst die alten IC/EC-Züge und später auch die ICE1+ICE2-Züge ersetzen sollen?
"Würde dieselbe Technik unverändert auf Doppelstockwagen übertragen, müssten die Zugbegleiter wohl doch irgendwann jene Tüten verteilen, in die Flugreisende in ähnlichen Fällen ihren Mageninhalt verteilen."
Nein, das Problem bei sich neigenden DoSos ist eher, dass die über das Lichtraumprofil hinausragen würden.
Denn derzeit fahren DoStos nur mit Sondergenehmigung, da sie das Lichtraumprofil nach oben überschreiten.
Neigen Sie sich aber in die Kurve, dann führt das dazu, dass sie auch nocht seitlich das Lichtraumprofil überschreiten, was natürlich gefährlicher ist, da sie da durchaus in den Gegenverkehr hineinragen könnten.
(Deshalb sind auch die Wagenkastenprofile von ICE-T (BR 411/415) und ICE 3 (BR 403/406) derart verschieden und die mit Neigetechnik wesentlich schmaler. Besonders auffallen tut dies auch bei den zweiteiligen Diesel-Pendolinos (BR 610/611/612), die vor allem in Franken unterwegs sind: Der Enstieg ist teilweise extrem weit von der Bahnsteigkante entfernt.)
Wenn ich dieses neue System, das im Text beschrieben wird, richtig verstehe, dann geht es darum, dass sich der Wagenkasten nicht neigt, sondern lediglich das Drehgestell sich an die Schienen anpasst, oder?
Oder anders Ausgedrückt: Der Wagenkasten bleibt grade, die Räder werden mitsamt der Drehgestelle auf die Gleise gepresst.
Aber es wäre schön, wenn die Artikel zum Thema Bahn auch von Leuten geschrieben würde, die vom Fach sind.
@Rhinelander
Nennt sich Wankkompensation. Der Wagenkasten bleibt beinahe im Lot (bis 2 Grad Neigung) und gleicht die Neigung des Gestells aus. Bombardier testet den sogenannten TWINDEXX. Wer das fast perfekte Schweizer Bahnsystem kennt weiß, daß hier kaum Spielräume in den Zugtaktungen besteht. Wird gebraucht, um 6 Minuten für den Stundentakt in der Westschweiz auf der Strecke Bern–Lausanne von momentan 66 Minuten auf unter 60 zu reduzieren.
So ganz ist mir nicht klar, was Bombardier hier überhaupt testet? Ein sich neigender Waggon, der sich nicht neigt, oder was?
Kann der Autor mir hier helfen?