Manipulationsaffäre beim ADAC Mit Vollgas gegen die Wand

Die Manipulation bei der Platzierung des "Lieblingsautos der Deutschen" symbolisiert das totale Fiasko des ADAC.

Versäumnisse, Fehler, Tricksereien: Der Rücktritt von ADAC-Präsident Meyer war unvermeidlich. Doch ein frisches Gesicht an der Spitze der Vereins reicht nicht. Der Koloss muss zerschlagen und neu aufgebaut werden.

Ein Kommentar von Hans Leyendecker

Die Republik verfolgt seit ein paar Wochen gebannt ein Schauspiel in Superzeitlupe: die Implosion eines Kolosses. Der ADAC, den bis vor Kurzem nicht wenige für eine Macht im Staate hielten, fällt langsam in sich zusammen. Der Rücktritt seines Präsidenten Peter Meyer ist eine weitere Etappe in dem Schauspiel.

Natürlich musste Meyer gehen. Nicht nur, weil er offensichtlich persönlich in den Skandal verstrickt ist und sich tölpelhaft verhielt. Sondern auch, weil er eben der Präsident war. Ein Chef haftet für seinen Apparat - nicht unbedingt juristisch, aber politisch. Das ist der Preis der Macht.

ADAC Deloitte-Bericht

Zu Beginn des Skandals gab sich Meyer erstaunt darüber, was in seinem Laden so alles möglich ist. Dann räumte er Versäumnisse, Fehler, Manipulationen ein, von denen er angeblich vor Bekanntwerden der schmierigen Verhältnisse keine Ahnung gehabt hatte. Schließlich schien Meyer auch gröbste Verstöße gegen die Regeln nicht mehr auszuschließen. Die Manipulation bei der Platzierung des "Lieblingsautos der Deutschen" symbolisiert das totale Fiasko des ADAC.

Meyer hatte sich zunächst demütig gezeigt. Eine Haltung, die er am eindrucksvollsten in Günther Jauchs Talkshow zelebrierte. Mag sie Schauspielerei oder echt gewesen sein, Meyer war nicht mehr zu retten. Ob er am Ende von Funktionären, die einen anderen an der Spitze wollen, rausgetreten wurde oder doch freiwillig ging, spielt längst keine Rolle mehr. Der ADAC ist mit Vollgas gegen die Wand gefahren.

Wenn in einem solch lange Zeit intransparenten Gebilde jede Suche nach einer faulen Stelle zu ganz vielen weiteren faulen Stellen führt, muss die Systemfrage gestellt werden. Das alte System ADAC ist verrottet, es ist kaputt.

Ein neues Gesicht an der Spitze reicht nicht

Noch besteht es aus einem Verein, in dem ehemalige Hobbyrennfahrer und Autofetischisten ihren Liebhabereien nachgehen, sowie aus einem Konzern, der - koste es, was es wolle - den geschäftlichen Erfolg sucht. Vereinsmeier vagabundierten zwischen diesen Welten und gaben vor, die mobile Gesellschaft zu verkörpern.

Wenn die Mitglieder in Umfragen, die nie publik wurden, gegen die Förderung von Motorsportveranstaltungen und für ein Tempolimit eintraten, war die Leitung des Vereins für die Förderung der Rennen und gegen ein Tempolimit. Die Behauptung, die ADAC-Lobbyisten seien Interessenvertreter der deutschen Autofahrer, war immer schon anmaßend. Der Größenwahn der Funktionäre wurde nur noch von ihrer Chuzpe übertroffen.

Wahr ist aber auch, dass viele der Mitglieder mit bleierner Gelassenheit dem Treiben dieses Vereins zuschauten. War doch egal, Hauptsache, man konnte sich auf die Gelben Engel verlassen. Versagt hat die Politik, die vor diesem Papiertiger kuschte. Versagt haben auch die deutschen Autobauer. Ihr symbiotisches Verhältnis zum ADAC fällt nun auf sie zurück.

Jetzt hilft nur eine Zerschlagung des Kolosses in eine saubere Stiftung und in eine ordentliche Aktiengesellschaft. Ein neues Gesicht an der Spitze reicht nicht.

Ungeahnte Dimension

Das Ausmaß des ADAC-Skandals überrascht selbst die Redakteure, die ihn aufgedeckt haben. Täglich melden sich in der Redaktion Kunden oder ehemalige Mitarbeiter des Automobilclubs mit neuen Vorwürfen. Gibt es also noch mehr Enthüllungen? Eine Analyse im Video. mehr ...