Kfz-Versicherungen Geschäfte mit der Not

Kurswechsel bei Versicherungen: Einige Firmen wollen jetzt Tarife für Autofahrer mit Geldproblemen auflegen. Bisher versuchten die Unternehmen problematische Kunden fernzuhalten. In anderen Ländern sind solche Tarife jedoch längst üblich.

Von Herbert Fromme

Mehrere deutsche Autoversicherer planen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung spezielle Tarife für Kunden mit Geldproblemen. Damit nehmen sich diese Gesellschaften ein Geschäftsfeld vor, das in den USA und anderen Ländern schon seit Jahren von Spezialanbietern bearbeitet wird. Hierzulande war das bisher verpönt. Viele Versicherer versuchten, Autofahrer mit schlechter Bonität fernzuhalten - mit nicht immer ganz sauberen Mitteln, denn in der Autoversicherung gibt es einen Annahmezwang.

Jetzt gehen einige kleinere Direktversicherer daran, mit diesen Kunden Geld verdienen zu wollen. Dazu gehören die Deutschlandtochter der britischen Direct Line in Teltow und der Kölner Versicherer Admiral Direkt, der Teil der Itzehoer ist. "Wir testen das gerade", bestätigte Direct Line-Deutschlandchef David Stachon. "Ich hoffe sehr, dass wir zum Jahresende startbereit sind."

Vorauszahlung und Aufschlag

Direct Line arbeitet mit dem Münchner Internet-Vergleichsportal Check24 zusammen, erste Kunden gibt es bereits. Sie müssen jährlich oder vierteljährlich im Voraus zahlen, die Preise liegen über denen von Wettbewerbern für ähnliche Fahrzeug- und Fahrerdaten.

Bisher scheuen die meisten Versicherer Spezialtarife für Kunden mit schlechten Bonitätswerten, weil sie Ärger mit der Finanzaufsicht Bafin wegen des Vorwurfs der Diskriminierung befürchten. Die Branche ist sich einig, dass diese Kunden nicht nur schlecht zahlen, sondern auch mehr Schäden verursachen. Björn Weikert, Vorstand beim Online-Vergleichsportal Check24, sieht keine aufsichtsrechtlichen Probleme. Da das höhere Risiko tatsächlich vorhanden sei, könne die Bafin nichts dagegen haben, dass es sich im Preis niederschlage. "Ich glaube, dass bald zahlreiche Versicherer Tarife einführen, die sowohl das höhere Schadenrisiko als auch das Nichtzahlerrisiko einpreisen."

Noch vor zehn Jahren hat die Versicherer vor allem interessiert, ob und wie lange ein potenzieller Kunde schadenfrei war, welches Fahrzeug er fuhr, wo er wohnte und wie alt er war. Doch seither haben die meisten Versicherer Bonitätsprüfungen eingeführt, wenn Kunden per Internet abschließen. Hat der Kunde online eine Anfrage gestellt, checken die Gesellschaften mit Hilfe von Dienstleistern, ob negative Daten über sein Zahlungsverhalten vorliegen.