Kawasaki Ninja 300 Erstaunlich erwachsen

Sie geht glatt als 600er durch: Dabei hat die kleinste Maschine von Kawasakis-Sportserie Ninja nur 300 Kubikzentimeterchen Hubraum. Doch damit ist die kleine Ninja erstaunlich flott und unerwartet souverän. Eine Ausfahrt.

Von Thilo Kozik

Die Botschaft ist klar: Mit der kleinen Ninja möchte Kawasaki all die jugendlichen Motorradfahrer ansprechen, die sich für ein sportliches Motorrad interessieren, denen aber das Geld für etwas Größeres fehlt, oder die noch keine entsprechende Fahrlizenz besitzen. Denn nicht zuletzt profitiert die 300er vom neuen A2-Stufenführerschein. Damit dürfen Einsteiger Motorräder bis 48 PS fahren. Auch wenn die 39 PS der Ninja 300 dabei nicht das Maß der Dinge sind, so zeigt sich der Motor hochmodern konfiguriert mit Einspritzanlage, Ausgleichswelle und Antihopping-Kupplung, die beim schnellen Herunterschalten ein Blockieren des Hinterrades verhindert.

Wie die Ninja so dasteht, könnte sie glatt als 600er durchgehen, so erwachsen wirkt sie mit ihrem markanten Doppelscheinwerfer in der niedrigen Verkleidung. Trotzdem sitzt man in der ersten Reihe bequem. Perfekt liegen die Lenkerstummel in der Hand und bei moderat geduckter Haltung lastet kaum Druck auf den Handgelenken. So lässt es sich entspannt Motorrad fahren. Sogar in der Stadt.

Eine andere Frage ist, ob ein Zweizylinder-Achtventiler, der Kraft aus fünfstelligen Drehzahlen holt, in der City überhaupt Spaß machen kann? Antwort: und ob. Im dichten Verkehr langen sogar moderate Drehzahlen, um flott und relativ schaltfaul voranzukommen. Handlich und leicht wie sie ist, wuselt und zirkelt sie sich gekonnt zwischen den Blechkarawanen hindurch.

Drehfreudig bis 13.000 Touren

Auf der Autobahn sprintet die Ninja richtig los. Weder Fahrbahnabsätze noch Spurrillen bringen sie aus der Ruhe, hinter der kurzen Verkleidungsscheibe geht es in leicht gebückter Haltung erfreulich ruhig zu. Dann sind Turnübungen angesagt. In unzähligen Kurven schwingt die Ninja durch die hügelige Landschaft. Das kleine Triebwerk dreht wie der Teufel bis an den roten Bereich bei 13.000 Touren.

Auch das Fahrwerk und die serienmäßig mit ABS bewehrten Bremsen stecken die sportliche Fahrweise sicher weg. Während die Telegabel das 17-Zoll-Vorderrad präzise und zielsicher durch sämtliche Biegungen führt, sauber anspricht, ordentlich federt und dämpft, gibt sich das Federbein etwas bockiger. Kawasakis Sparwillen merkt man am ehesten bei der Bereifung - hochwertigere Pneus würden Rückmeldung und Grip bei Nässe verbessern. So bietet die Ninja 300 für 5595 Euro einen durchaus attraktiven Einstieg in die Welt der Sportmotorräder - und das nicht nur für Klasse-A2-Inhaber.