An der simplen Genialität des Renault R4 konnte nicht mal der Rost etwas ändern. Eine Widmung zum Fünfzigsten
Wussten die bei Renault eigentlich, was für eine coole Kiste sie da auf die dünnen Räder gestellt hatten? Vermutlich nicht. Sonst hätte es vom R4 längst eine Neuauflage gegeben, wie vom Mini, New Beetle oder Fiat 500. Auch ich brauchte damals eine gewisse Zeit, bis ich kapierte, was diesen R4 so einzigartig machte. Das Auto war zwar nicht schön, aber schön einfach. Wenigstens.
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Anfangs würdigte ich diese Schrulligkeit keines Blickes. Als 20-Jähriger bestand meine automobile Welt aus kleinen Knallkisten wie Simca Rallye 2, Autobianchi Abarth oder Honda S 800, allesamt von purem Testosteron angetriebene Pubertäts-Minis, mit denen man die Mädchen mehr beeindrucken konnte als mit einem - na ja, Renault 4 eben.
Diese skurrile Kiste war in meinen Augen nur etwas für Birkenstockträger, Haschischraucher und Atomkraftgegner. Die Läuterung kam, als ein Freund mich fragte, ob er nicht für ein paar Wochen den R4, Baujahr 1972, seiner Schwester, Baujahr 1954, in meiner Werkstatt unterstellen dürfe und ich netterweise (oder dummerweise) Ja sagte. Die französische Revolution nahm ihren Lauf.
Da stand das Ding nun, hochbeinig und unbeholfen, rot und rostig. Ich staunte über die Heckklappe und die umlegbare Rücksitzbank (dieses Konzept ist Renault immerhin 13 Jahre vor Volkswagen eingefallen), über die wolkenweiche Federung, die lässige Revolverschaltung, die gerne auch mit einem Regenschirm verwechselt wurde, über die meist klemmenden Schiebefenster und den durchgehenden vorderen Fußraum, eben wie die norddeutsche Tiefebene. Die anschließende Probefahrt erschien mir dann wie die Entdeckung der Entschleunigung.
1961 wurde der R4 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Er war Renaults erstes Modell mit Frontantrieb und der Welt erster Kleinwagen mit Heckklappe und variablem Laderaum. Auf nur 3,66 Meter Länge bot er fünf Personen recht bequem Platz.
In den garantiert veloursfreien Kofferraum passten 255 Liter, mit umgelegter Rückbank sogar 950. Keine Kante schränkte das Beladen ein. Kadett und Käfer fuhren in Sachen Nutzwert und Räumlichkeit um Lichtjahre hinterher.
Sein Plattform- und Baukastenkonzept war so überzeugend, dass der R4 - seit 1965 hieß er offiziell Renault 4 - fast unverändert 30 Jahre lang produziert wurde. Im Lauf der Zeit entstanden so kuriose Varianten wie Pritschen- und Kastenwagen (Fourgonnette) sowie in geringerer Stückzahl auch die offenherzigen Versionen Plein Air und Rodeo.
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Das war mein erstes neues Auto 1974, giftgruen und mit 34 PS befeuert, ich war ganz zufrieden mit diesem Auto. Der Verbrauch war fast nie ueber 6,5 Litern in dieser Zeit ein guter Wert,da dieser Motor ja ach schon einige Jahrzente auf den Produktionsband hinter sich hatte. Die Steuer und Versicherung waren guenstig,4 Tueren und eine Heckklappe was wollte man mehr haben ? Nun irgent wann kahm dann der Opel Ascona B mit einem viel staerkeren Triebwerk an seiner Stelle. Auch war ich ueberascht das nach der Verkaufsanoce ploetzlich 4 Kaeufer auf einmal auftauchten,der ging gebraucht weg,wie eine warme Semmel. Zumal er sehr gur gepflegt war und keine Maengel hatte, er wurde der erste Zweitwagen einer Familie.
Zum Glück trübte des Autors nostalgische Faszination nicht sein ästhetisches Empfinden: so gibt er gleich selber zu, daß dieses Auto "nicht schön" war. Und in der Tat: Bis zum heutigen Tag sind die Gallier Weltmeister im Bauen aberwitzig häßlicher Karossen - von der Ente(Alptraum in Wellblech) über Twingo(Glubschaugen-Kretin) bis Megane(Größter anzunehmender Designunfall) sind das alles Kisten, wo man froh sein kann, wenn man drin sitzt, weil man sie dann nicht von außen sehen muß. Renault-Autos laufen unter dem Sammelbegriff "visuelle Umweltverschmutzung"...
(Jaja, ich weiß, daß die Ente nicht von Renault stammt!)
Das Konzept des R4 hatte meines Erachtens am ehesten der Opel Agila (bzw. Wagon R von Suzuki) in der ersten Version erreicht. Natürlich mit deutlich mehr Komfort und weniger Rost. Allerdings hat Opel mit der neuesten Fassung alles verbockt: Zu niedriger Laderaum, zu hohe Ladekante usw. Schade. Da gibt es wieder ein Lücke zu schließen!
Schöner Artikel ...auch bei mir romatische Erinnerungen. Meiner hatte noch das alte Schaltschema: 2-ter und 3-ter in einer Ebene! Und da war doch auch noch der Trick mit dem Wagenheber: Gelenkwellenwechsel ohne Motorausbau . . . .
Warum es keine Neuauflage vom R4 gibt? "Das Auto war zwar nicht schön, aber schön einfach" - Ja: EInfach!!! Das kann heute leider keiner mehr. Alles muss maximal kompliziert sein.
Ich habe heute einen Volvo. Der pieps und klickt den ganzen Tag und macht laufend vollautomatisch Dinge für mich, die ich überhaupt nicht will. Wenn es ein Mensch wäre, würde man sagen, er leidet unter ADS.
Bei den Fahrrädern gibt es da eine hoffnungsvolle Entwickliung: Single-Speed-Fix. Das ist schön UND einfach und irghendwie auch ehrlich. Wie mein alter R4. Ich kann nur hoffen, dass sich bald jemand traut, diese Entwicklung in den Automobilbau zu übertragen. Keine Elektronik, keine Compuiter, kein ADS, kein Generve . . ..
Das Geld für die Mehrkosten würde ich gerne ausgeben.
Grüße