60 Jahre Mercedes Ponton Aufbruchsstimmung auf vier Rädern

Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Mercedes ein Großserien-Auto für den Mittelstand: den Ponton-Mercedes. Mit selbsttragender Karosserie und modernem Design wurde er zur blechgewordenen Aufbruchsstimmung des Wirtschaftswunders.

1953 herrscht Aufbruchstimmung. Edmund Hillary und Sherpa Tenzing besteigen den Mount Everest, die Augsburger Puppenkiste lupft erstmals ihren Vorhang. Die Lufthansa hebt ab zu einem Unternehmensneustart, und erste Exemplare eines Autos schwärmen auf die Straßen der noch jungen Bundesrepublik aus. Es wird ein Klassiker werden: der Ponton-Mercedes.

Dabei ist die neue Erscheinung teilweise zunächst ein wenig von gestern. Denn die Motorisierung der frühen Ponton-Reihe stammt aus Vorkriegszeiten, genauer vom Mercedes-Benz 170 von 1939. Doch beim Automobildesign stellt man sich auf das moderne Zeitalter ein: Der Ponton-Mercedes kommt ohne ausladende, geschwungene Kotflügel und die bislang üblichen breiten Trittbretter aus.

Holz und Analoguhr: Das Cockpit dieses Ponton-Mercedes von 1954 übt sich auch heute noch in Gediegenheit.

(Foto: dpa-tmn)

Die Garagen der Besserverdiener

"Er ist das erste Modell der Marke, das eine selbsttragende Karosserie in der modernen Pontonform aufwies. Dies machte den Typ 180 geräumiger, strömungsgünstiger und leichter als das Vorgängermodell 170 S", sagt Malte Dringenberg von Mercedes-Benz Classic. Doch die Neuerung kostet Geld. Der Basispreis von 9950 D-Mark liegt doppelt so hoch wie beim VW Käfer. Der Ponton parkt folglich vor allem in den Garagen der Besserverdiener. Zunächst stehen etwas magere 52 PS im Datenblatt für den Benziner, 40 PS müssen dem ersten Diesel genügen. Doch die Weiterentwicklung in den Folgejahren bringt neben den Vierzylindern auch kräftigere Sechszylinder-Motoren hervor. Und in Vielfalt übt sich Mercedes letztlich beim Schneidern der Blechkleider: Neben der Limousine werden Cabriolets und Coupés gefertigt.

Zu verdanken ist die Konstruktion des Ponton-Mercedes unter anderen Mercedes-Ingenieur Béla Barényi. Er berechnet und dimensioniert die Bodenanlage so, dass sie bei Kollisionen vor allem einen besseren Seitenaufprallschutz bietet. Damit und einem weiteren Patent Barényis, der Sicherheitsfahrgastzelle mit Knautschzone, avanciert Mercedes-Benz schon in den 50er Jahren zu einem Vorreiter in Sachen Fahrzeugsicherheit.

Nicht wirklich neu ist 1953 die selbsttragende Bauweise eines Ponton - bereits 30 Jahre vorher setzte sie zum Beispiel Bugatti im Typ 32 um, und auch der kleine Hanomag 2/10 PS von 1925 - "Kommissbrot" genannt - war ein Ponton. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Karosseriebauweise populär. Der Bremer Hansa 1500, dessen Nachfolgerin ab 1954 Borgward Isabella heißt, ist eine der ersten deutschen Ponton-Karosserien, die auf den Nachkriegsstraßen unterwegs ist.

1953: Chassis und Karosserie einer Mercedes-Limousine der Ponton-Baureihe W 120 werden zusammengesetzt.

(Foto: dpa-tmn)