Elektroroller Unu im Test Leise surrender Gefährte

Im Test beweist der Unu E-Roller seine Alltagstauglichkeit.

(Foto: Daniel Hofer)

Sie stinken und knattern - nicht. Elektroroller tragen zur Versöhnung von Nachbarn und Rollerfahrern bei. Im Praxistest zeigt der Unu, wie viel Spaß ein zweirädriger Stromer machen kann.

Von Michael Neißendorfer

Sie stank, war laut und viel zu oft kaputt - dennoch wurde die Trennung von ihr eine Herzensangelegenheit. Aber als die schicke Italienerin - eine Vespa 50 Speciale, Baujahr 1972 - auch noch anfing, bei nasser Fahrbahn den Dienst zu versagen und erst nach tagelanger Ruhezeit im Trockenen wieder problemlos startete, war es aus mit der Liebe.

Die Nachbarn dürften erleichtert aufgeatmet haben, als der neue Besitzer seine Vespa abgeholt hat: kein morgendliches Knattern mehr, kein stinkendes Gemisch-Abgas, das in die Küche zieht und den Kaffeeduft übertüncht - das Fahrrad war fortan wieder Verkehrsmittel Nummer eins. Das könnte sich nach der Testwoche mit dem Unu-Elektroroller aber wieder ändern. Den Liebhaber-Wert einer alten Vespa werden E-Roller wohl so schnell nicht erreichen - für den Alltag sind die leise surrenden Gefährte allerdings eine Alternative, die mancher durchaus in Betracht ziehen sollte.

Den Elektroroller gibt es in drei Motorvarianten mit 1000, 2000 oder 3000 Watt. Für den Test stand das Topmodell mit dem stärksten Motor zur Verfügung. Sorge, dass man beim Ampelstart Autofahrer ausbremsen würde, braucht man mit dieser Motorisierung nicht zu haben. Für ein Zweirad der 50-er Klasse aber ziemlich fix und deutlich schneller als die alte Vespa erreicht der Elektroroller seine Höchstgeschwindigkeit, die jedoch leider bei 45 km/h abgeregelt wird. Dafür kann Unu nichts, der Gesetzgeber will es so. Schade, denn so fühlt man sich als Rollerfahrer vor allem auf breiten oder mehrspurigen Straßen, auf denen mancher Autofahrer gerne etwas flotter unterwegs ist, mehr als Hindernis denn als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer.

Klein aber fein

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Das erhabene Gefühl, lautlos zu gleiten

Spaß macht der Unu dennoch. Schon das laut- und geruchlose Losfahren freut die Nachbarn und gibt einem ein erhabenes Gefühl, das sich stetig steigert, je länger man über die Straßen gleitet. Selbst die 13 Prozent Steigung hinter dem Münchner Tierpark nimmt der kleine Flitzer mit Bravour und würde sogar mehr als die dort erlaubten 30 km/h zulassen. Zugute kommt dem Handling auch das geringe Gewicht des E-Rollers: Er wiegt weniger als 60 Kilogramm. Enge Schlenker sowie das Wuchten auf den Zweibeinständer fallen deshalb angenehm leicht.

Mindestens 50 Kilometer Reichweite verspricht der Hersteller. Bei der Probe aufs Exempel schaffte der Unu das auf den Meter genau - obwohl die Fahrt zu einem Großteil Überland bei Höchstgeschwindigkeit erfolgte und der Scheinwerfer getreu der Lichtpflicht ständig eingeschaltet war. Dabei stand fast während der gesamten Tour auch die volle Leistung zur Verfügung; erst auf den letzten Kilometern war zu spüren, wie der Akku langsam in die Knie ging. Erreicht der Roller nur noch 40 km/h Höchstgeschwindigkeit, sollte man sich möglichst bald ums Nachladen kümmern - mehr als zwei, drei Kilometer sind dann nicht mehr drin. Und je mehr man sich dem Akku-Ende nähert, desto langsamer wird der E-Roller. Alternativ gibt es den Unu aber auch mit zweitem Akku, der die Reichweite um weitere 50 Kilometer verdoppelt.

Nach fünf Stunden an der Steckdose ist der Akku wieder voll.

(Foto: Daniel Hofer; Daniel Hofer)

Zum Laden holt man den acht Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akku aus seinem Fach unter der Sitzbank, wo zusätzlich der zweite Akku oder eine kleine Tasche Platz finden würde. An der Haushaltssteckdose lädt die Batterie in etwas weniger als fünf Stunden wieder vollständig auf. Das Prozedere Abstecken-Rausnehmen-Mitnehmen-Anstecken-Laden-Abstecken-Mitnehmen-Einbauen-Anstecken mag zwar etwas mühsam klingen, geht in der Summe dennoch schneller als ein Tankvorgang an der Zapfsäule. Und ist zudem deutlich günstiger: Für 100 Kilometer braucht der E-Roller knapp drei kWh Strom, je nach Anbieter kommen so etwa 80 bis 90 Cent auf die gesamte Strecke zusammen. Ein herkömmlicher Benzinroller kommt auf knapp drei Liter je 100 Kilometer, was trotz der aktuell geringen Kraftstoffpreise immer noch etwa vier Euro ausmacht.