Brennstoffzellenauto von Toyota 500 Kilometer ohne Benzin

Toyota will als erster Großserienhersteller ein Auto mit Brennstoffzelle verkaufen. 2015 soll die Limousine beim Händler stehen. Bis zu 80.000 Euro soll sie kosten - bietet dafür aber Technologie von morgen mit viel Potenzial.

Von Sascha Gorhau

2015 soll es soweit sein. Schon in zwei Jahren will Toyota ein Auto mit Brennstoffzellenantrieb verkaufen. Toyota verspricht mehr als 500 Kilometer Reichweite für den Wagen. Außerdem soll es keine Einbußen beim Innenraumvolumen geben. Die viertürige Limousine bleibe trotz der Wasserstofftanks im Unterboden voll praxistauglich, sagt Toyota. Außerdem verspricht der Autobauer Fahrleistungen "auf dem Niveau konventioneller Benzin- und Dieselmotoren".

Das Brennstoffzellen-Hybridfahrzeug mit dem Arbeitstitel FCHV (Fuel Cell Hybrid Vehicle) soll zwischen 70.000 und 80.000 Euro kosten. Das für die meisten Autokäufer unerschwinglich. Doch alles ist relativ: Noch vor Jahren standen Produktionskosten von etwa einer Million Euro für so ein Fahrzeug im Raum - pro Exemplar.

Zukunftsmusik mit viel Potenzial

Allerdings konkurriert die Wasserstofflimousine laut Toyota mit Autos aus der oberen Mittelklasse, die sich auf etwa demselben Preisniveau befinden. Die Japaner denken dabei an Audi A6, BMW Fünfer und Mercedes E-Klasse. Toyota jedoch kalkuliert die Verunsicherung der Kunden ein und plant deshalb vorsichtig, nur "einige Tausend Einheiten" pro Jahr weltweit abzusetzen, so ein Konzernsprecher.

Wasserstoffautos haben mit der Brennstoffzelle ein kleines Kraftwerk an Bord, das aus dem Treibstoff Strom für einen Elektroantrieb erzeugt. Der Toyota-Prototyp hat eine Batterie, in der auch der per Rekuperation gewonnene Strom gespeichert wird. Die Reichweite von herkömmlichen Elektroautos liegt derzeit bei oft nicht mehr als 100 bis 150 Kilometern.

Das Prinzip des Wasserstoffautos ist für die Massen noch Zukunftsmusik. "Die Idee ist klasse, doch bis das sich im großen Stil durchsetzen kann, werden noch viele Jahre vergehen", sagt Carsten Graf vom ADAC. Doch das Potenzial der Technik sei groß, sie produziere zum Beispiel weniger Lärm und weniger Emissionen, sagt Graf. Außerdem sei die Herstellung von Wasserstoff sehr einfach.

Tanken ist problemlos - wenn sich eine Tankstelle findet

Wichtig für den Alltag: Das Betanken ist absolut unproblematisch und vergleichbar mit einem Besuch an der Zapfsäule mit einem Erdgasfahrzeug. Es dauert nur einige Minuten, den Tank zu füllen - und nicht etliche Stunden wie bei aktuellen Elektrofahrzeugen. Der Preis für den getankten Wasserstoff orientiert sich primär am Strompreis. Denn der stellt den größten Kostenfaktor bei der Herstellung dar.

Auch andere Autobauer wie Mercedes-Benz oder Honda hatten bereits mit dem Verfahren experimentiert, in die Serienproduktion eines großen Autobauers hat es allerdings noch kein Wasserstoffahrzeug geschafft. Denn noch existieren einige gravierende Nachteile, die dies verhindern. "Eine Brennstoffzelle produziert auch viel Wärme, einige hundert Grad wird sie heiß. Und im Winter kann das Startverhalten der Brennstoffzelle ein Problem sein", sagt Carsten Graf. Außerdem sei die Abdichtung der Wasserstofftanks bisher ein großes Problem. Wasserstoffatome sind extrem klein und der Druck im Behälter sehr hoch.

Doch der Wasserstoff muss erst einmal in den Tank gelangen. Das ist bisher das größte Problem. Denn weltweit existieren 208 Wasserstoff-Tankstellen, nur 33 davon befinden sich in Deutschland.