Abkehr vom Biosprit Biosprit fördert plötzlich das Greenwashing von Spritfressern

Hinzu kommen 2007 die Pläne der EU-Kommission, die Klimavorgaben für Autos abzumildern, dafür aber die höhere Beimischung von Biosprit anzurechnen: als Klimaschutz-Maßnahme. Plötzlich dient die Alternative zum Öl dem Greenwashing großer Spritfresser. Umweltverbände laufen Sturm. "Da sind die Brüsseler Nichtregierungsorganisationen weit übers Ziel hinausgeschossen", sagt Lahl heute. "Die haben das Thema so überspitzt, dass wir für die Biomasse im Klimaschutz ein Akzeptanzproblem bekommen haben."

Ein Akzeptanzproblem freilich, dass mittlerweile auch wissenschaftlich unterfüttert ist durch eine ganze Reihe von Studien; über die allerdings auch wieder die Meinungen auseinandergehen. Ein Akzeptanzproblem aber auch, das Teilen der Industrie gar nicht so unrecht sein dürfte.

Da wäre etwa die Mineralölwirtschaft, die von jeher wenig Interesse an der Beimischung eines Kraftstoffes hat, den sie nicht selber fördert, sondern bei Landwirten zukaufen muss. Die Einführung von E 10 im vorigen Jahr verfolgte die Branche bestenfalls halbherzig. Oder auch die deutsche Autoindustrie: Sie schuf sogar einen neuen Hoffnungswert, um die Zukunft der Biokraftstoffe zu untermauern, den "Biokraftstoff der zweiten Generation". Er sollte dereinst den herkömmlichen Biosprit ablösen, hergestellt vor allem aus Abfällen. Mehr noch: Am herkömmlichen Otto- und Dieselmotor hätte sich damit nicht viel ändern müssen. In Sachsen kauften sich Volkswagen, Daimler und Shell eigens bei einem Unternehmen namens Choren ein, einem Entwickler der neuen Vision. Mehr allerdings ist es auch nicht: Im vorigen Jahr meldete Choren Insolvenz an. Und den herkömmlichen Biosprit haben in der Zwischenzeit andere erledigt. Nur der Klimarabatt für die Autoindustrie, der bleibt.

So ist irgendwie wieder alles beim Alten, und womöglich ist das einigen Beteiligten ganz recht. Wären da nicht noch diese hehren Worte von einst. "Unbestreitbar bleibt aber, dass auch die Grünen damals nicht frei waren von einer gewissen Euphorie über Biotreibstoffe", heißt es heute in der Fraktion, die Renate Künast mittlerweile anführt. "Diese Euphorie hat sich als übertrieben herausgestellt."