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Teure Hoffnung:20.000 Euro für ein Versprechen

Routinemäßig werden fremde Stammzellen bisher nur eingesetzt, wenn bei Blutkrebs die eigenen Blutzellen bestrahlt wurden. Bei allen anderen Krankheiten erforschen seriöse Wissenschaftler derzeit noch die Grundlagen der Stammzelltherapie in Kulturschalen und an Tieren.

Nur bei ausgewählten Krankheiten haben sie erste Versuche an Menschen gewagt - mit mäßigem Ergebnis.

Doch viele Kranke wollen nicht warten. Begierig saugen sie Meldungen über vermeintliche Heilungserfolge auf. Und so einige glauben nach einer Behandlung auch Besserung zu spüren - mitunter so schnell, wie es nur Zauberei vermag.

Die Engländerin Patricia Frost etwa, die wegen MS gelähmt ist, meinte schon auf dem Rückweg von einer Stammzellinjektion bei der Firma PMC in Rotterdam ihre Arme wieder heben zu können.

"Es ist unglaublich. Es ist nichtmal eine Stunde her", sagte ihr Schwiegersohn, den Tränen nahe. "Unglaublich" findet die Geschichte auch Robin Lovell-Badge vom National Institute for Medical Research in London - die Stammzellen könnten kaum der Grund sein: "Ich habe mir schon den Kopf zerbrochen, wie diese Therapie funktionieren könnte", sagt der Stammzellexperte.

Die bloße Hoffnung der Patienten bewirke wohl mitunter Verblüffendes.

Risiken werden kleingeredet

Die Firmen aber sind sich nicht zu schade, diese Hoffnung akribisch zu nähren. "Sie sind nur hinter dem Geld her", sagt die Stammzellforscherin Christine Mummery von der Universität Utrecht. "Die ,Informationen', die sie den Patienten geben, sind eher Propaganda als Information. Sie versprechen absolut irreführende Dinge."

Auch Verdeuzeldonk war zunächst angetan. "Wenn es nicht riskant ist, will ich es wohl tun. Ich habe nichts zu verlieren", sagte er nach einem ersten Gespräch mit Cells4Health. Die Gefahren allerdings sind durchaus größer, als die Firmen zugeben.

"Sie reden Risiken klein oder erwähnen sie erst gar nicht", empört sich Christine Mummery. So weisen die Patientenbroschüren von Cells4Health lediglich auf "ein sehr kleines Infektionsrisiko" hin.

Dabei ist die Therapie alles andere als harmlos.

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