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Schüßler-Salze:Die heilsamen Zwölf

Noch zu Lebzeiten ihres Begründers gewann die Schüßler'sche Biochemie enorme Popularität. Der Grund hierfür lag in der Geschäftstüchtigkeit Schüßlers, der sein Verfahren von Anbeginn durch Laienvereine propagieren ließ. Bis in die 1930er Jahre hinein stellten die in praktisch jeder Stadt vertretenen Biochemischen Gesundheitsvereine eine der größten Bewegungen ihrer Art dar.

Während die Nazis zunächst sehr angetan waren von der "Volksheilweise" Schüßlers, ließ man das Verfahren nach einigen Versuchsreihen seiner erwiesenen Wirkungslosigkeit wegen bald fallen. Schließlich verschwand die Biochemie nach Schüßler komplett in der Versenkung.

Erst in den 1980er Jahren erlebte sie im Zuge des wachsenden Interesses an alternativen Heilmethoden eine triumphale Wiedergeburt. Heute zählt sie, neben Homöopathie und Bach-Blütentherapie, zu den bestetablierten "Medikations"-Verfahren der Alternativheilerszene. Begeisterte Berichte in den Boulevard- und Regenbogenmedien heizen den Boom weiter an.

Wie man sich denken kann, hat die "Biochemie nach Schüßler" nicht das Geringste mit der naturwissenschaftlichen Disziplin der Biochemie zu tun.

Colin Goldner ist klinischer Psychologe. Er setzt sich seit etlichen Jahren kritisch mit alternativen Heilverfahren auseinander.