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Supervulkan Toba:Der "evolutionäre Flaschenhals"

Auch unseren Vorfahren habe der "vulkanische Winter" schwer zugesetzt, folgerte Stanley Ambrose von der Universität Illinois, USA, als er vor elf Jahren die Theorie vom evolutionären Flaschenhals der Menschheit aufstellte. Ambrose führte das aus Genomanalysen vermutete Schrumpfen der Menschheit vor 70.000 Jahren auf die Toba-Eruption zurück: Viele Menschen hätten kaum mehr Nahrung gefunden, viele seien erfroren, behauptete er.

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Berge

Doch bald regte sich Widerspruch. Die Auswirkungen des Toba-Ausbruchs seien nicht so verheerend gewesen, errechnete Clive Oppenheimer von der Universität Cambridge in Großbritannien im Jahr 2002. Die gigantische Eruptionswolke habe zu wenig Schwefel enthalten, um die Erde dauerhaft um fünf Grad abzukühlen. Zur Verdunkelung braucht es Schwefel, denn anders als Asche bleiben Schwefeltröpfchen jahrelang in der Luft.

Vor zwei Jahren schienen Archäologen die Toba-Theorie endgültig widerlegt zu haben. Im Südosten Indiens hatten sie Steinwerkzeuge gefunden - sowohl unterhalb, als auch oberhalb der Ascheschicht des Toba-Ausbruchs. Die Eruption, folgerten die Experten um Michael Petraglia von der Universität Cambridge, habe die Menschen nicht verdrängen können. "Sie lebten unverändert weiter", sagt Petraglia.

Dem widerspricht nun das Ergebnis der neuen Untersuchung. Mit einem Computermodell haben Klimatologen um Alan Robock von der Rutgers Universität in New Jersey die Auswirkungen des Toba-Ausbruchs simuliert. Sie waren gravierender als angenommen: Fünf Jahre lang lagen die Temperaturen weltweit um bis zu 18 Grad tiefer als zuvor, noch zehn Jahre nach der Eruption war es auf der Erde durchschnittlich zehn Grad kälter. Zudem regnete es weniger, mancherorts herrschte jahrelang Dürre. Weil sich die Eruptionswolke von den Tropen her ausbreitete, verteilte sie sich besonders effektiv über beide Hemisphären.

Dieser Extremwinter habe den Menschen schwer zugesetzt, resümieren Robock und seine Kollegen im Journal of Geophysical Research (Bd.114, S.D10107, 2009). Der plötzliche Kälteeinbruch habe den meisten Menschen keine Zeit für eine Flucht in wärmere Regionen gelassen.