Serie: Mythen von Monstern (Teil 1) Der blutrünstige Ziegensauger

Phylis Canion in Cuero, Texas, hält den Kopf ihres Chupacabras in die Kamera.

(Foto: Foto: AP)

Doch wenn der Chupacabra in den USA nur ein räudiger Hund ist, was ist mit den alienartigen Wesen in Mittel- und Südamerika? Und warum saugen die unheimlichen Wesen ihren Opfern das Blut aus?

Vermutlich tun sie das gar nicht. Ein Lebewesen dieser Größe hätte auch Probleme, sich allein vom Blut seiner Opfer zu ernähren. Vielmehr wirkten die Chupacabra-Opfer, die meist erst nach einiger Zeit entdeckt wurden, nur deshalb blutleer, weil ein Tier, das durch einen Nackenbiss getötet wird, nicht stark blutet und weil sich das Blut im Körper schnell zersetzt.

Die Ausbreitung der Chupacabra-Sichtungen von Puerto Rico aus weist außerdem alle typischem Merkmale der Entstehung einer sogenannten Urban Legend auf. Plötzlich wird jeder nicht gleich erklärbare Überfall auf Haustiere dem Chupacabra in die Schuhe geschoben. Und je häufiger darüber berichtet wurde, desto mehr Sichtungen gab es im Verbreitungsgebiet der Medien. Inzwischen hat die Legende sogar Russland erreicht. Auch dort werden seit 2005 Chupacabras gesichtet.

Vermutlich handelt es sich also bei den Chupacabras um verschiedene Raubtiere, die festgestellt haben, wie leicht sich Haustiere reißen lassen. Den Rest erledigen die Phantasie von Menschen, die im Dunkeln irgend etwas nicht genau gesehen haben, sensationsgierige Medien, gefälschte Bilder und das Internet. Und räudige Kojoten.

Filmstar Chupacabra

Vielleicht aber "ist die Wahrheit irgendwo da draußen", wie es so schön in der Serie "Akte X" heißt. Die hat sich übrigens auch schon mit dem Chupacabra beschäftigt. In der Folge "El Mundo Gira" stoßen die FBI-Agenten Mulder und Scully allerdings auf einen so kruden Mix aus Chupacabra-Legende, Pilzen aus dem All, Aliens und eifersüchtigen Brüdern, dass von dem eigentlichen "Ziegensauger"-Mythos nicht mehr viel übrigbleibt.

Ähnlich ist es mit dem Horrorfilm "Chupacabra Terror", in dem ein Kryptozoologe im lateinamerikanischen Dschungel ein monströses Reptil fängt und auf einem Kreuzfahrtschiff - wo auch sonst - transportiert. Natürlich entkommt das Tier und ... den Rest kann man sich denken.

Es bleibt abzuwarten, wie lange sich die Sage vom Chupacabra in Lateinamerika noch halten wird, und welche bizarren Geschichten angebliche Augenzeugen und die Medien noch verbreiten werden. Zum Beispiel solche wie die, die das nicht ernstzunehmende News-Portal Austin Probe vergangenes Jahr veröffentlichte: Man Caught Smuggling Chupacabra at Austin, Texas Airport. Es handelt sich hierbei zwar um eine Parodie. Aber das wirklich Lustige ist: Die Story ist genauso überzeugend wie alle ernstgemeinten Augenzeugenberichte.

Dass tatsächlich eines Tages ein bislang unbekanntes, reptilienähnliches Wesen auftauchen wird, das sich von Ziegen- und Hühnerblut ernährt, ist indes eher unwahrscheinlich.