Schädlingsbekämpfung Exoten-Floh soll Briten erlösen

Der japanische Knöterich wuchert unkontrolliert in Großbritannien. Nun wollen Ökologen dessen natürlichen Feind importieren.

Von K. Blawat

Erstmals soll ein Insekt in die EU eingeführt werden, um eine Pflanze zu bekämpfen, die sich unkontrolliert ausbreitet. In den nächsten Tagen werden britische Biologen des Forschungsinstituts Cabi den aus Japan stammenden Blattfloh in einigen Regionen Englands freisetzen. Das Insekt soll den Japanischen Knöterich bekämpfen, der ebenfalls aus Asien stammt. Die Wurzeln des bis zu drei Meter hohes Gewächses sprengen Risse in Asphalt und Mauerwerk. In Großbritannien verursacht die Pflanze dadurch laut Schätzungen Schäden von mehr als 160 Millionen Euro jährlich.

Das Insekt nach Europa zu importieren, scheint also einleuchtend. Doch Teja Tscharntke warnt davor. "Die Geschichte lehrt uns, dass derartiges Handeln kritisch ist", sagt der Agrarökologe von der Universität Göttingen. Ökologen kennen eine Reihe Beispiele, bei denen das vermeintlich nützliche Tier ebenso schnell außer Kontrolle geraten ist wie die Pflanze oder das Tier, das es eigentlich bekämpfen sollte.

In Australien ausgesetzte Mungos sollten die Rattenplage eindämmen. Doch die kleinen Raubtiere brachten nicht nur die Tollwut auf den Kontinent, sondern hatten sich auch nach kurzer Zeit so stark vermehrt, dass sie selber bekämpft werden mussten. Aus China wurde der Asiatische Marienkäfer nach Europa eingeführt, um Blattläuse zu bekämpfen. Inzwischen sind Europäische Marienkäfer selten geworden, sie werden von den asiatischen Einwanderern verdrängt.

Einen Schädling zu bekämpfen, indem einer seiner natürlichen Feinde in einem Ökosystem ausgesetzt wird, in dem dieser bislang nicht heimisch war, richtet oft ebenso viel Schaden an wie etwa chemische Spritzmittel. "Wir wissen heute, dass die biologische Schädlingsbekämpfung nicht immer die beste Alternative zur chemischen Variante ist", sagt Tscharntke.

Wird in Großbritannien nur ein neues Problem geschaffen, indem ein bestehendes bekämpft wird? Ist der Japanische Blattfloh also die Plage der Zukunft? Nach Angaben der Cabi-Forscher hätten zahlreiche Versuche gezeigt, dass der Blattfloh andere Pflanzen in Ruhe lasse.

Doch trotz solcher Tests können Missgeschicke passieren. So gelten verschiedene Schlupfwespen als geeignetes Gegenmittel für pflanzenschädigende Insekten, weil sie sich eigentlich auf jeweils eine Insektenart spezialisiert haben. Doch zeigte sich in Versuchen, dass auch Schlupfwespen Ausnahmen machen und auf andere, nicht schädliche Insekten umschwenken können. Und in die USA führte man vor einigen Jahren den Europäischen Rüsselkäfer ein, nachdem sich dort eine ebenfalls aus Europa stammende Distel ausgebreitet hatte. Unglücklicherweise schmeckte den Käfern die einheimische Distelart viel besser als die eingeschleppte.

In Großbritannien sollen die japanischen Insekten zunächst nur in wenigen Gebieten ausgesetzt werden, die die Forscher intensiv beobachten wollen. Mit Sicherheit ausschließen, dass sich die Insekten auch außerhalb der Testfelder ausbreiten, können die Biologen aber nicht.