Reaktion auf Klimagipfel von Bali Indiens kleiner Triumph

"Nach zwei Wochen der diplomatischen Hundekämpfe in Bali" feiern die Schwellenländer einen Erfolg. Auch Indiens Frust über die Industrienationen ist abgewendet, in Delhi herrscht neues Selbstvertrauen.

Von Oliver Meiler, Singapur

Die indischen Zeitungskommentare sind fast durchwegs mit feinem Triumph unterlegt: "Nach zwei Wochen der diplomatischen Hundekämpfe in Bali, hat Indien mit seinem Minister für Wissenschaft und Technologie, Kapil Sibal, einen fast unmöglich geglaubten Deal durchgebracht", schreibt etwa The Times of India. "Indien hat so die sturen USA isoliert und andere reiche Länder, wie die EU-Staaten, in eine Ecke gedrängt und dafür gesorgt, dass sie sich an der Finanzierung und dem Transfer von umweltfreundlicher Technologie an die Entwicklungsländer beteiligen."

Demonstrant auf dem Gipfel: Triumph für einige Schwellenländer

(Foto: Foto: AFP)

Indiens Frust über die Industrienationen ist abgewendet, in Delhi herrscht neues Selbstvertrauen - kurz zusammengefasst in der absichtlich zweideutig getexteten Schlagzeile: "Endlich: Klimawandel für Indien."

Noch Stunden vor dem Deal hatte es so ausgesehen, als würde der Block der Schwellenländer, angeführt von Indien und China, wieder einmal verlieren, als müssten sie mitten in ihrem rasanten Aufstieg an die Weltwirtschaftsspitze dieselben Auflagen zur Begrenzung des Treibhauseffekts unterzeichnen, wie dies die gestandenen Industrienationen erst nach Jahrzehnten des Sündigens und dann auch nur widerwillig bereit waren.

Der Druck jedenfalls war wieder groß gewesen auf die Gruppe der 77, der G-77, in der die Entwicklungs- und Schwellenländer plus China zusammengefasst sind. Ihr Verhandlungsführer, Munir Akram aus Pakistan, hatte noch am Freitag geklagt, die industrialisierte Welt habe den Entwicklungsländern mit Sanktionen gedroht, wenn diese sich nicht fügten. Danach feierten sie gemeinsam, die Inder und die Pakistaner, die alten und historischen Erzrivalen. Und auch das war ein beachtliches Bild.

Indien ist für die Umweltschützer Sorge und Hoffnung zugleich. Sorge, weil das wirtschaftliche und industrielle Wachstum des Milliardenvolks zur Explosion der Schadstoff-Emissionen führen wird, allein schon durch die Zahl der Autos, die sich in den nächsten Jahren immer mehr Inder leisten werden. Millionen werden es sein, die wenigsten mit Katalysatoren, die meisten mit Diesel betrieben. In Delhi, der Hauptstadt, werden täglich 3000 Neuwagen zugelassen.

Es gibt aber auch Hoffnung, dass das demokratische Indien kraft seiner moralischen Stärke Verantwortung übernimmt. Die prominenteste Persönlichkeit unter den indischen Umweltwissenschaftlern, Rajendra K. Pachauri, der Vorsitzende des UN-Klimarats, wurde unlängst für sein Engagement mit Al Gore mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Pachauri sagte nach dem Ende der Konferenz in Bali: "Ich bin recht glücklich." Das klingt noch ausbaufähig.