Ptolemäus korrigiert Eine neue Vermessung der alten Welt

Die Fehler sind Ptolemäus vermutlich unterlaufen, weil er Maßeinheiten verwechselte, erklärt Lelgemann: Zur Zeit des Römischen Reiches gab es zehn unterschiedliche Definitionen der Entfernungseinheit "Stadion". Ptolemäus habe offenbar die falsche Einheit verwendet, berichten Lelgemann und die Wissenschaftshistoriker Andreas Kleineberg und Eberhard Knobloch.

Neben dem simplen Maßstabsfehler entdeckte Lelgemann noch ein weitaus gravierenderes Problem in den Beschreibungen von Ptolemäus: Ganze Regionen waren um unterschiedliche Distanzen gegeneinander verschoben.

Ein Puzzle von Karten

"Ptolemäus hat offenbar ein Puzzle von Regionalkarten zusammengefügt", meint Lelgemann. Alleine Italien bestehe aus 40 Kartenteilen. Ptolemäus habe die Abschnitte falsch zusammengesetzt, so dass meist große Lücken klafften. Die Abstände zwischen den Karten zu identifizieren, hat die Berliner Forscher Jahre gekostet.

Die korrigierte Weltkarte des Altertums soll nun Historikern zur Verfügung gestellt werden und dürfte noch für manche Überraschung sorgen. Einige Erkenntnisse ergeben sich unmittelbar: Beispielsweise war bislang unklar, auf welchen Seeweg die Römer ausgewichen waren, nachdem die Parther im zweiten Jahrhundert vor Christus die so genannte Seidenstraße gesperrt hatten. Der Handelsweg zwischen Europa und China hatte für das Römische Reich große wirtschaftliche Bedeutung.

Die Häfen, die die römischen Schiffe auf ihrer Ausweichroute übers Meer anliefen, konnten Lelgemann und seine Kollegen bereits ermitteln: Die Flotte landete beispielsweise in der chinesischen Hafenstadt Kattigara - auf der Insel Karimata, westlich von Borneo. Zielhafen war häufig die chinesische Hafenstadt Haiphong, ein bedeutender Handelsplatz des chinesischen Kaiserreiches.

Auch den seit Jahrzehnten tobenden Streit um die Insel Thule konnten die deutschen Forscher entscheiden. Die Mytheninsel wurde im vierten Jahrhundert vor Christus von dem griechischen Seefahrer Pytheas auf einer Reise nördlich von England gesichtet.

Doch kurz darauf ging das Wissen verloren, um welche Insel es sich handelte. Sowohl Island, die Färöer- und die Shetlandinseln kamen in Frage. Aufgrund der Verwirrungen fand Thule Eingang in zahlreiche mittelalterliche Mythen. Doch nun ist das Geheimnis gelüftet, berichtet Lelgemann: "Thule ist Smøla, eine Insel vor Trondheim in Norwegen."