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Postfaktisches Zeitalter:Wahrheit und Glauben

Die Wissenschaftler suchen nach dem richtigen Umgang mit Menschen, die ihre eigenen Fakten schaffen. Eine Debatte bei der Lindauer Nobelpreisträgertagung.

Von Johanna Pfund

Der amerikanische Präsident Donald Trump war auch in Lindau. Indirekt - denn seine Ansicht, dass es so etwas wie alternative Fakten gibt, erschüttert die Wissenschaftler. "Wissenschaft ist Wahrheit, kein Glaubenssystem", betonte William Moerner, Chemie-Nobelpreisträger 2014 am Montag bei einem Pressegespräch. Er sei sehr besorgt über die Entwicklung in den USA. Seine Hoffnung: Dass die jungen Wissenschaftler einen Weg finden, Fakten richtig zu kommunizieren und konstruktiv zu arbeiten. Helga Nowotny, Wissenschaftsforscherin und Vizepräsidentin des Kuratoriums für die Tagung in Lindau, sah das "Postfaktische" wesentlich differenzierter. "Wir haben noch nie in einem Zeitalter der Wahrheit gelebt", sagte sie. Fakten könnten sich ändern, und immer schon hätten Regierende versucht, ihre Wahrheiten zu formen. "Es ist wichtig, Menschen einzubeziehen und ihnen zu zeigen, wie wirklich geforscht wird", erklärte Nowotny. Dennoch bleibt es schwierig, manchen Äußerungen zu begegnen, wie Arturo Borja, Direktor für internationale Beziehungen in Mexikos Nationalem Rat für Wissenschaft und Technologie erläuterte. "Wie kann jemand nur so absurde Dinge über Mexikaner behaupten?" Soziale Medien machen es seiner Ansicht nach Politikern sehr leicht zu behaupten, was immer sie wollten.

© SZ vom 29.06.2017
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