Pluto-Mission Mancher Forscher will bis heute nicht akzeptieren, dass Pluto kein Planet mehr ist

Himmelskörper zum Verlieben: Ein herzförmiger Krater auf dem Pluto lässt Twitter-Nutzer schwärmen. Quelle: NewHorizons2015/Twitter

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Seit den 1990er-Jahren haben Forscher etwa tausend eiskalte Felskörper jenseits der Umlaufbahn des Plutos entdeckt. Schätzungen besagen, dass es hunderttausend weitere gibt. Das Sonnensystem umgibt eine Art riesiger Trümmerhaufen, Astronomen sprechen vom "Kuipergürtel". Er besteht aus interstellarem Baustoff, der vor mehr als vier Milliarden Jahren bei der Entstehung der Planeten nicht verbraucht wurde. Pluto ist der prominenteste Bestandteil des Kuipergürtels. Diese Erkenntnis bewog die Internationale Astronomische Union im Jahr 2006, Pluto den Planetenstatus abzuerkennen. Seitdem ist er ein "Zwergplanet", genauso wie Eris und andere Objekte aus dem Kuipergürtel.

Doch der Streit um Pluto tobt bis heute. Der US-Bundesstaat Illinois, aus dem der Pluto-Entdecker Tombaugh stammte, bezeichnet Pluto weiterhin als Planet. Auch einige Mitglieder des New-Horizons-Teams wollen nicht anerkennen, dass Pluto nur noch zweitklassig ist. Sorge um das eigene Erbe dürfte dabei eine Rolle spielen: Die Sonde ist im Januar 2006 von der Erde gestartet, ein halbes Jahr später wurde Pluto zum schnöden Felszwerg degradiert.

Das System aus Pluto und seinen Monden liegt wie eine Zielscheibe auf der Route der Sonde

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Wissenschaftler freuen sich dennoch auf die Aufnahmen und Daten von New Horizons. Diese könnten verraten, was auf dem Pluto vor sich geht. Der Zwergplanet eiert auf einer Ellipsen-Bahn um die Sonne, 248 Erdenjahre braucht er für einen Umlauf. Zeitweise kommt er der Sonne näher als der Neptun. Entsprechend stark schwanken die Temperaturen auf Plutos Oberfläche. Forscher halten es für möglich, dass während Plutos Winterjahren die Atmosphäre aus Stickstoff gefriert - und wie Schnee auf die Oberfläche fällt. Aktuell ist Spätsommer auf dem Pluto. "New Horizons wird also vermutlich noch einen Teil der Atmosphäre vorfinden", sagt der Planetenforscher Hauke Hußmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Die 478 Kilogramm schwere Nasa-Sonde trägt sieben Instrumente an Bord, die unter anderem die Zusammensetzung der Atmosphäre untersuchen können. Vor allem sind die Forscher aber auf die Fotos gespannt, die New Horizons während des Vorbeiflugs von der Oberfläche schießen wird. Die Bilder könnten Geysire zeigen, wie sie Forscher vor geraumer Zeit auf dem Neptun-Mond Triton entdeckt haben. Die Eis-Vulkane wären ein Indiz dafür, dass flüssiger Stickstoff unter der Oberfläche zirkuliert und ab und zu ins Weltall gepustet wird. Die Bilder werden auch Genaueres zu dem Herzen auf der Oberfläche mitteilen: Handelt es sich bei der hellen Fläche um Schnee? Oder um eine große Senke?

Hat eine kosmische Kollision Plutos riesigen Mond Charon herausgesprengt?

Das Interesse der Wissenschaftler gilt nicht nur Pluto, sondern auch seinen Monden, allen voran Charon. Mit den Daten von New Horizons hoffen sie zu klären, ob er gemeinsam mit Pluto entstanden ist - oder ob er später von einem anderen Himmelskörper aus Plutos Masse herausgesprengt wurde. All das hätten die Nasa-Wissenschaftler sicherlich gerne in Ruhe untersucht. Aber ein Stopp in Plutos Umlaufbahn ist nicht vorgesehen. Dafür hätte man Treibstoff mitnehmen müssen, um die Sonde zu bremsen. Damit wäre die Mission aber zu teuer geworden.

Nach dem Vorbeiflug müssen die gesammelten Daten zur Erde geschickt werden, was bis Ende 2016 dauern soll. Die Funkverbindung schafft gerade mal 1000 Bit pro Sekunde, selbst Modems aus den 1990er-Jahren waren deutlich schneller. Schnappschüsse sollen als Erstes geschickt werden und schon einen Tag nach dem Rendezvous die Erde erreichen.

Hubble: Blick ins Weltall

Pluto errötet

Für die Fans gibt es nicht wirklich Grund zur Eile. Schließlich markiert der Besuch des Pluto auch das Ende einer Ära. "Niemand der heute Lebenden wird noch einmal dabei sein, wenn ein Planet zum ersten Mal aus der Nähe zu sehen ist", sinnierte unlängst Dennis Overbye, ein erfahrender Wissenschaftsreporter der New York Times. Die Mission sei der Anfang des Endes der Phase, in der Menschen das Weltall erkunden.

Tatsächlich sind zwar mehrere Missionen zu den Monden des Jupiter geplant, aber keine Raumsonde, die tiefer ins All vordringen wird als New Horizons. Diese soll, sofern die Nasa mehr Geld bereitstellt, noch ein weiteres Objekt im Kuipergürtel ansteuern. Aber die nächsten unbekannten Planeten warten in unmenschlich großer Entfernung, im Orbit anderer Sterne. Statt ein paar Stunden benötigt das Licht der Sonne dorthin mehrere Jahre. Eine Raumsonde wäre viel länger unterwegs, als ein Menschenleben dauert.

In ferner Zukunft könnte auch New Horizons bei einem anderen Stern ankommen. Wenn sie an Pluto und seinen Monden vorbeigesaust ist, durchquert die Sonde noch Plutos Schatten. Wenn das klappt, sieht sie erst einen Sonnenuntergang und dann eine schillernde Sonnenfinsternis. Danach ist sie sicher gewappnet für eine beherzte Reise in die dunkle, kalte Leere.

Raumfahrt "Eine der größten Erkundungen unserer Zeit"
Mission zum Zwergplaneten Pluto

"Eine der größten Erkundungen unserer Zeit"

Die Nasa-Sonde "New Horizons" soll dem Zwergplaneten Pluto so nah wie noch kein Flugkörper vor ihr kommen. Wissenschaftler erwarten "aufregende Entdeckungen". Besonders interessant dürfte der Eiskern des Planeten sein.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, die Funkverbindung schaffe 2000 Byte pro Sekunde. Tatsächlich werden nur 1000 Bit pro Sekunde übertragen, die Bandbreite ist also deutlich geringer.