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Pflanzenzucht:Die Datteln des Herodes

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Dattelpalmen wachsen bevorzugt in trockenem Klima. Dies konservierte auch die 2000 Jahre alten Samenkörner.

(Foto: REUTERS)

Israelischen Biologen ist es gelungen, sechs Palmen aus 2000 Jahre alten Samen zu ziehen. Zwei von ihnen tragen bereits Blüten.

Wenn Elaine Solowey in den vergangenen 15 Jahren im Kibbuz Ketura in der Arava-Wüste aus dem Fenster sah, dann konnte sie Methusalem beim Wachsen zusehen: einer uralten Dattelpalme, die inzwischen dreieinhalb Meter hoch ist. Solowey, Direktorin des Zentrums für nachhaltige Landwirtschaft am Arava-Institut für Umweltstudien, gehört einem israelischen Forscherteam an, das 2005 eine wissenschaftliche Sensation bekannt gab: Aus einem rund zweitausend Jahre alten Samen ist eine Dattelpalme gewachsen. Der Methusalem getaufte Sprössling lief einer Lotuspflanze den Rang ab, die die US-Botanikerin Jane Shen-Miller 1995 aus einem 1300 Jahre alten Samen gezogen hatte.

Nun hat Methusalem Gesellschaft erhalten. Es sind weitere Dattelpalmen aus antiken Samen gesprossen. Sie wurden Adam, Jonah, Uriel, Boaz, Judith und Hannah getauft. Dem Forscherteam ist es in den vergangenen Jahren gelungen, sechs weitere Dattelpalmen aus mehr als zweitausend Jahre alten Samen zu ziehen.

Warum es mehr als ein Dutzend Jahre seit dem Sprießen Methusalems gedauert habe, erklärt die Wissenschaftlerin damit, dass sie nicht sicher gewesen sei, ob es weitere Samen gebe. Aber Sarah Sallon, die Direktorin des naturmedizinischen Forschungszentrums der Hadassah-Organisation, habe nicht locker gelassen und sich auf die Suche gemacht bei archäologischen Ausgrabungen rund um das Tote Meer: In der Umgebung des Palasts von König Herodes in der Festung von Masada und in den Höhlen von Qumran, wo die Schriftrollen aus dem antiken Judentum entdeckt wurden, fand sie weitere Samen.

Einige Samenkörner stammen aus der Festung von Masada und den Höhlen von Qumran

Von 34 gesäten Samen haben sich sechs entwickelt - wenngleich nicht unbedingt so wie erwartet, sagt Solowey. Die Eva genannte Dattelpalme musste in Adam umgetauft werden, als klar wurde, dass es sich um eine männliche Pflanze handelt, die inzwischen auf eineinhalb Meter herangewachsen ist. Sämtliche Samen pflanzte Solowey in sterile Erde in einem Gewächshaus, das unter Verschluss gehalten wurde. Die gebürtige Kalifornierin benutzte eine alte Babyflasche, denn sie wollte die Sprösslinge "sanft gießen und nicht fluten". Während von Methusalem binnen sechs Wochen die ersten Sprossen zu sehen waren, dauerte es im Falle der später gefundenen Samen bis zu neun Monate: "Das hat unsere Geduld ziemlich strapaziert", sagt Solowey.

Inzwischen wurde das Alter der Pflanzen mit der Radiokarbonmethode ermittelt. Diese Methode macht sich den Zerfall des radioaktiven Kohlenstoff-Isotops C-14 zunutze, um das Alter organischer Stoffe zu bestimmen. Alle Dattelpalmen stammen aus der Zeit vor Christi Geburt: Adam und Hannah können im Zeitraum zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert verortet werden, Judith und Boaz stammen aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts sowie Uriel und Jonah aus einem Zeitraum zwischen dem ersten und zweiten vorchristlichen Jahrhundert.

Nach Ansicht der Forscher, die ihre Erkenntnisse im Journal Science Advances publizierten, dürfte das trockene Klima in der Region dazu beigetragen haben, dass die Samen ihr Wachstumspotenzial über zweitausend Jahre erhalten haben. Drei der Palmen sind inzwischen vom Gewächshaus ins Freie verpflanzt worden - ganz in die Nähe von Methusalem. Adam und Jonah hatten bereits Blüten, mit Spannung wird nun die Entwicklung der noch kleinwüchsigen Hannah beobachtet. "Wir hoffen, dass sie im Frühjahr Blüten trägt und wir sie bestäuben können. Wir hoffen, dass sie einmal Datteln trägt", sagt Solowey. Dann bekäme auch Methusalem Nachwuchs.

© SZ vom 11.02.2020
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