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Partnerschafts-Studie:Länger leben dank Ehekrach

Wer die Wut auf den Partner in sich hineinfrisst, statt auf unberechtigte Vorwürfe zu reagieren, riskiert einen vorzeitigen Tod, warnen US-Forscher.

Markus C. Schulte von Drach

Man muss sich ja nicht gleich Teller an den Kopf werfen. Aber ein ordentlicher Zoff in der Beziehung kann offenbar das Leben verlängern. Wobei es hier nicht um das Leben der Partnerschaft geht, sondern um das der Partner selbst. Das berichten Forscher der University of Michigan.

Lieber mal laut werden, als leise bleiben und früh sterben.

(Foto: Foto: istock)

Eheleute, die ihren Ärger unterdrücken, wenn sie vom Partner zu Unrecht kritisiert werden, sterben demnach offenbar früher als jene, bei denen einer oder beide ihren Zorn zeigen.

Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler um Ernest Harburg anhand von Beobachtungen an 192 Ehepaaren aus der Stadt Tecumseh, Michigan.

Zwar seien die Ergebnisse bislang vorläufig, aber die Forscher halten sie für gut genug, um sie in der nächsten Ausgabe der Fachzeitung Journal of Family Communication zu veröffentlichen.

Über einen Zeitraum von 17 Jahren beobachteten Harburg und sein Team die Verhältnisse in den Ehen und unterteilten sie in vier Kategorien: 1) Paare, in denen beide Partner ihren Ärger zeigen, 2) Paare, bei denen nur der Mann oder 3) die Frau dies tun, sowie 4) Paare, bei denen beide ihren Zorn unterdrücken.

Der Vergleich der Lebenserwartung in den verschiedenen Kategorien verblüffte die Forscher. Wenn beide Partner sich über unberechtigte Vorwürfe aufregten, ihre Wut aber unterdrückten, war ihr Risiko, früh zu sterben, doppelt so groß wie das von Paaren in den anderen drei Kategorien.

"Von 166 Paaren, bei denen höchstens ein Partner seinen Zorn unterdrückt hatte, starben in sechs Prozent der Fälle beide Eheleute vorzeitig ", erklärt Harburg. "Aber von den 26 Paaren, in denen beide Partner sich so verhielten, waren am Ende der Studie 23 Prozent frühzeitig verstorben."

Dabei hatten die Forscher Faktoren wie das Alter, Rauchen, Gewicht, Blutdruck, Lungen- oder Herzprobleme berücksichtigt.

"Eine wichtige Aufgabe in einer Partnerschaft ist es, Konflikte beizulegen", so Harburg. "Häufig sind die Partner dazu nicht in der Lage. Wenn man aber seinen Zorn in sich hineinfrisst und dem anderen grollt, ist man in Schwierigkeiten."

Auch wer sich die wütende Reaktion verkneift, um die Beziehung nicht zu gefährden, riskiert demnach, sein eigenes Leben abzukürzen.

Wie unterdrückter Zorn und die Gesundheit zusammenhängen, ist nicht ganz klar. Es scheint zum Beispiel einen Einfluss auf den Blutdruck zu geben, vermutet Harburg. So ist das Risiko für Menschen mit Bluthochdruck, die ihren Zorn unterdrücken, offenbar besonders groß,

Um ihre Ergebnisse zu überprüfen, wollen die Wissenschaftler Daten über einen Zeitraum von 30 Jahren sammeln.

© sueddeutsche.de/als
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