Panspermie-Hypothese berechnet Leben unterwegs zwischen den Planeten

Hat der Meteorit Allan Hills 84001 Mikroben vom Mars zur Erde transportiert? Die Vermutung, der Brocken würde Hinweise auf fossile außerirdische Lebewesen enthalten, ist äußerst umstritten.

Asteroiden und Meteoriten können beim Aufprall auf Planeten Material ins All schleudern, in das Mikroben eingeschlossen sind. So könnte sich Leben von einem Himmelskörper zum anderen ausbreiten. Nun haben Astronomen nachgerechnet, wie viele geeignete Brocken in den vergangenen 3,5 Milliarden Jahren im Sonnensystem unterwegs waren.

Von Christopher Schrader

Um von einem Planeten des Sonnensystems zu einem anderen zu reisen, braucht es nicht unbedingt eine Rakete - ein Felsblock tut es auch.

Reißt nämlich ein großer Asteroid oder Meteorit beim Aufprall einen Krater auf, schleudert er Material weit hinaus ins All, und darin eingeschlossen womöglich auch Mikroorganismen.

Das ist die zentrale Annahme der sogenannte Panspermie-Hypothese: Das Leben könnte sich nach Einschlägen von einem Himmelskörper zum anderen ausbreiten. Ein Beispiel ist der Brocken, der vor 65 Millionen Jahren das Ende der Dinosaurier besiegelte.

Forscher um Rachel Worth von der Pennsylvania State University haben nun nachgerechnet: Seit der Entstehung des Sonnensystems hätten viele Brocken von Mars und Erde den jeweils anderen Planeten, einige sogar Monde von Saturn und Jupiter erreichen und befruchten können (Astrobiology, online).

Die Wissenschaftler haben zunächst jeweils gut 40.000 Brocken für zehn Millionen Jahre durch ein virtuelles Sonnensystem verfolgt. Von dem von der Erde hoch geschleuderten Material blieben jeweils 40 Prozent im Orbit oder fielen schnell wieder zurück. 0,2 Prozent aber schafften es zum Mars, doppelt so viele zum Jupiter. Und nach Einschlägen auf dem Mars erreichten 2,6 Prozent der hochgeschleuderten Brocken die Erde.

Im zweiten Schritt stellten die Forscher daraus eine Bilanz für die 3,5 Milliarden Jahre seit der Entstehung von Leben auf der Erde auf. In dieser Zeit sind wohl 200 Millionen geeignete Meteoroiden von diesem Planeten hochgeschleudert worden, die den Anforderungen der Panspermie-Hypothese genügten.

Sie durften nicht zu stark erhitzt worden sein und mussten eine Größe von mindestens drei Metern haben, um Bakterien mindestens eine Million Jahre vor dem Einfluss des Alls zu schützen.

Davon dürften es 360.000 zum Mars geschafft haben (wo sie als Meteoriten die Oberfläche erreichten), zehn zum Jupitermond Io, jeweils sechs zu seinen Geschwistern Europa und Ganymed und vier zum Saturnmond Titan.

Zum Mars waren diese kosmischen Boten mindestens 112.000 Jahre unterwegs, zum Jupiter vier und zum Saturn sogar acht Millionen Jahre. Vom Mars aus landeten fast genauso viele Felsblöcke auf den Monden der äußeren Planeten, aber satte 130 Millionen auf der Erde. 105 davon hat man bisher gefunden.