Paläoanthropologie Autsch!

Vielleicht muss man nicht von Zahnheilkunde reden, wie es die Forscher in ihrer Pressemitteilung tun. Aber immerhin: Ihre Analyse von 130000 Jahre alten Zähnen deutet darauf hin, dass bereits Neandertaler an ihrem Gebiss herumgedoktert haben.

Von Christian Weber

Vielleicht muss man nicht unbedingt von prähistorischer Zahnheilkunde reden, wie es begeisterungsfähige Forscher um den Anthropologen David Frayer von der University of Kansas in ihrer Pressemitteilung tun. Aber immerhin: Ihre Analyse von vier Zähnen aus dem linken Unterkiefer eines Neandertalers deutet darauf hin, dass diese bereits vor 130 000 Jahren an ihrem Gebiss herumgedoktert haben (Bulletin of the International Association for Paleodontology). Die Zähne waren vor mehr als hundert Jahren in der archäologischen Fundstätte von Krapina in Kroatien gefunden worden. Unter dem Mikroskop zeigten sie nun abgenutzte Kauflächen, Brüche im Zahnschmelz, Kratzer im Dentin, aber vor allem auch Rillen, die vermutlich von einem Werkzeug stammen, das einem Zahnstocher geähnelt haben muss. "Alles in allem lässt das vermuten, dass der Neandertaler dort Probleme hatte und sie vermutlich selbst behandeln wollte", sagt Frayer. Darauf deutet seiner Ansicht nach auch die leicht verschobene Position von zwei der Zähne. "Wahrscheinlich hat die Person etwas in ihren Mund geschoben, um an den beeinträchtigten Backenzahn zu kommen." Ob dieser Befund wirklich beweist, wie die Forscher meinen, dass die frühen Verwandten dem modernen Menschen kaum unterlegen gewesen seien, kann man sicher streiten. Plausibel ist aber eine weitere Folgerung der Studie: Auch der Neandertaler litt mal unter Zahnweh.