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Neue Erkenntnisse der Klimaforschung:Sonne beeinflusst Winter

Die Sonne beeinflusst nicht nur, wie warm es im Sommer, sondern auch wie kalt es im Winter ist. Das haben jetzt Mainzer und Züricher Forscher herausgefunden. Sie haben sich auf eine Zeitreise bis zurück ins Jahr 1780 begeben - und untersucht, in welchen Wintern der Rhein von Eisschollen bedeckt war.

Christopher Schrader

Die Sonne hat offenbar einen unerwartet starken Einfluss auf die Winter in Europa. In Jahren, in denen die Sonnenfleckenzahl als Zeichen der magnetischen Aktivität des Gestirns besonders niedrig ist, kommt es gehäuft zu frostigen Wintern. Forscher aus Mainz und Zürich zeigen dies jetzt am Beispiel des Eisgangs auf dem Rhein. Sie haben die 14 Winter seit dem Jahr 1780 untersucht, in denen Schollen den Fluss bedeckten. Das Eis war in Jahren wie 1783/84, 1844/45 oder zuletzt 1962/63 so dick, dass Menschen darauf gehen konnten. Zehn der strengen Winter lagen kurz vor oder nach einem Sonnenflecken-Minimum. Dass dies reiner Zufall ist, schließen die Forscher mit 99-prozentiger Sicherheit aus.

Allein entscheidend sind die Sonnenflecken jedoch nicht. 1783 zum Beispiel war der isländische Vulkan Laki ausgebrochen und hatte den strengen Winter mit seinem Auswurf begünstigt, der die Sonne verdunkelte. Als hingegen der Rhein 1929 in Eisschollen erstarrte, waren die Sonnenflecken auf einem Maximum. Die Wetterverhältnisse, die solche strengen Winter auslösen, können also auch ohne magnetische Hilfe von oben entstehen. Meist sind das starke Hochs über Island, die den milden Westwind vom Atlantik blockieren. Statt dessen fließt kalte Luft von Norden oder Osten nach Mitteleuropa.

Womöglich werden diese Druck- und Windverhältnisse auch von den schwächelnden Magnetfeldern der Sonne begünstigt. Da die magnetische Aktivität die Ausstrahlung von Licht und Wärme kaum beeinflusst, muss es sich um einen solchen indirekten Mechanismus handeln. Vermutlich wird der Effekt durch die Lagen der Atmosphäre nach unten durchgereicht.

Die Wetterlage erklärt auch die beiden vergangenen kalten Winter in Deutschland und England. Andere Forscher haben schon eine Verbindung zum solaren Minimum gezogen. Wie das Mainzer-Züricher Team beeilen sie sich jedoch klarzustellen, dass der solare Einfluss keinen Widerspruch zum vom Menschen ausgelösten Klimawandel bedeutet. Der Effekt zeige sich nur in Europa. Weil Grönland und Zentralasien im Gegenzug wärmere Winter bekommen, ist im Mittel der Nordhalbkugel kein Effekt des Sonnenmagnetfelds mehr zu erkennen.

© SZ vom 25.08.2012/webj

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