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Nahrungsmittelsicherheit:Gift im Getreide

Ein Bericht der Vereinten Nationen warnt: Extremwetter kann zu mehr Gift in der Nahrung führen. Als Reaktion auf Hitze, Dürre oder Starkregen reichern viele Pflanzen toxische Stoffe an. Und sie werden anfälliger für Krankheiten.

Von Hanno Charisius

Extreme Wetterereignisse können Nahrungspflanzen so unter Stress setzen, dass sie Stoffe produzieren, die für Menschen und Tiere schädlich sind. Vor dieser Folge des Klimawandels warnt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP in einem Bericht über sich anbahnende Probleme des Planeten. Mehr als 80 Gewächse, darunter Mais und Weizen, könnten etwa Nitrat anreichern, weil bei Dürre die Umwandlung der Stickstoffverbindung in nützliche biochemische Bausteine langsamer abläuft. Überschwemmungen bringen andere Pflanzen dazu, giftige Stoffe anzureichern. Hitze könnte zur Ausbreitung von Pilzen führen, die giftige Mykotoxine produzieren.

Die UNEP-Experten warnen damit nicht nur vor Ernteverlusten, die mit dem beginnenden Klimawandel bereits einhergehen, sondern auch vor Reaktionen der Nutzpflanzen auf das Geschehen um sie herum. Wetterstress macht Pflanzen demnach anfälliger für Krankheiten, aber er führt auch zu Schutzreaktionen, die für Menschen und Tiere unerwünschte Folgen haben können. Zuviel Nitrat im Futter kann zu Fehlgeburten beim Vieh führen und sogar ausgewachsene Tiere töten. Mykotoxine in Getreide aber auch in Erdnüssen oder in Kaffee können bereits in kleinen Mengen Krebs auslösen sowie das Nerven- oder das Immunsystem schädigen. Auf dem afrikanischen Kontinent werden 40 Prozent der Leberkrebs-Fälle auf eine Vergiftung mit Mykotoxinen zurückgeführt. Schon wenn sich das Weltklima um nur zwei Grad Celsius erwärmt, könnten die Pilzgifte Getreideernten auch in Südeuropa unbrauchbar machen.

Wissen und Wissenschaft sollen gegen die Ausbreitung der Toxine helfen. Etwa indem Bauern Anbauverfahren lernen, die auch im sich wandelnden Klima noch sichere Nahrungsmittel liefern. Forscher sollen bei der Entwicklung neuer Pflanzen helfen. Der UNEP-Bericht geht auch auf andere Veränderungen ein, die der Gesundheit des Menschen schaden können: Etwa Mikroplastik in den Weltmeeren, Übertragung ansteckender Krankheiten von Tieren auf Menschen und zerstörte Ökosysteme. Einige Probleme seien heute nur auf kleine Gebiete beschränkt, schreiben die Experten, sie könnten sich aber zu globalen Krisen auswachsen, wenn man sie nicht schnell angehe.

© SZ vom 27.06.2016
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