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Morde bei den Medicis:"Es war Arsen"

Durch einen Erbgutvergleich mit dem Barthaar aus Florenz habe sie, sagt Donatella Lippi, dieses Francesco I. zuordnen können. Mari und seine Kollegen bestimmen daraufhin den Arsengehalt der Probe, einem im 16. Jahrhundert gebräuchlichen Gift. "Die Symptome entsprachen denen einer Arsenvergiftung", erklärt Lippi. "Es war eine tödliche Dosis."

Inhalt der vier Tongefäßen aus der Krypta von Santa Maria a Bonistallo: Zwei Kruzifixe, Eingeweidereste, darunter Leber

Inhalt der vier Tongefäßen aus der Krypta von Santa Maria a Bonistallo: Zwei Kruzifixe, Eingeweidereste, darunter Leber

(Foto: Foto: AP)

Damit scheint der Fall klar. Die Forscher schildern in ungewöhnlich blumigem Ton die Ereignisse und Motive des Mordes vom 19. Oktober 1587. Der Bruder des Großherzogs, der im Alter von 14 Jahren ohne Weihe zum Kardinal ernannt worden war, habe dem Paar das Gift verabreicht.

Das Motiv: Er wollte Großherzog werden, was 1587 auch geschah. Danach habe er die sofortige Autopsie der Verstorbenen angeordnet - eine ungewöhnliche Maßnahme, mit der er die Vergiftung vertuschen wollte. Zuvor spielte Ferdinando in Briefen an den Heiligen Stuhl die Erkrankung Francescos herunter, während dieser im Sterben lag.

Wikipedia meldete schon den Mörder

Die Akte Francesco hätte geschlossen werden können, bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird Ferdinando schon als Mörder geführt. Vielleicht vorschnell, denn Medici-Experte Gino Fornaciari hat nun ein Haar in der Suppe gefunden - das bereits erwähnte Barthaar, mit dem es gelungen sein soll, die vertrockneten Eingeweide, die mehr als 400 Jahre in der Kirchenkrypta lagen, eindeutig zuzuordnen.

Diese Zuordnung sei nicht möglich, schrieb Fornaciari sechs Tage nach der Veröffentlichung seiner Kollegen in einem harschen Kommentar im British Medical Journal. Francesco I. habe bei der Exhumierung völlig skelettiert in einem kleinen Zinksarg gelegen, in den er bei einer früheren Exhumierung gebettet worden war.

"Der Schädel zeigt keine Spuren von Weichteilen, Haut oder Bart!" Dann mahnt er an, die Autoren würden keine genauen Angaben über die Erbgutanalyse machen.

Der Vergiftete brachte seine Frau um: mit Gift

Tatsächlich ist die Gefahr groß, dass alte DNS im Labor durch Erbgut der Forscher verunreinigt und das Ergebnis verfälscht wird. Barthaar und Leber könnten von verschiedenen Personen stammen.

Die hohen Arsenkonzentrationen, so Fornaciari weiter, können nach dem Tod aufgrund der Lagerbedingungen ins Gewebe gelangt sein. Schließlich kritisiert er, dass es zur Ausgrabung in Santa Maria a Bonistallo keinen archäologischen Bericht gebe. "Hat man die Überreste zeitlich datiert?", fragt er. Die beiden gefundenen Kruzifixe jedenfalls seien aus dem 18. oder 19. Jahrhundert.

Francesco Mari hat noch nicht geantwortet. Dies wird nicht die letzte Geschichte sein über die Medici und Francesco I., der übrigens selbst ein Interesse an Alchemie hatte: Er stand im Verdacht, seine erste Frau Johanna von Habsburg vergiftet zu haben, um seine Geliebte Bianca Capello heiraten zu können.

Ein ausführlicher Beitrag über das Medici-Projekt findet sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift SZ Wissen.