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Morde bei den Medicis:"Es war Arsen"

Ein Pathologe erklärt rätselhafte Todesfälle in der berühmten florentiner Herrrscherfamilie für gelöst - und erntet prompt Widerspruch.

Die Geschichte beginnt im Oktober 1587 in der kleinen Kirche Santa Maria a Bonistallo nahe Florenz, möglicherweise sind kurz zuvor zwei Menschen ermordet worden.

Francesco I. de Medici um 1580

Francesco I. de Medici um 1580

(Foto: Foto:)

Die Diener von Francesco I. de Medici wissen nicht, dass die vier Tongefäße, die sie die Steintreppe zur Kirche hochtragen und später in der Krypta beisetzen werden, ein entscheidendes Beweisstück in einem Kriminalfall enthalten - die vergifteten Eingeweide des 47-jährigen Großherzogs und seiner zweiten Frau Bianca Cappello.

Beide starben am 19. bzw. 20. Oktober im Abstand weniger Stunden unter mysteriösen Umständen, der offizielle Obduktionsbericht nannte Malaria als Todesursache.

"Es war Mord", sagt der Toxikologe Francesco Mari von der Universität Florenz. Veröffentlicht hat er seine Ansicht im renommierten British Medical Journal (Bd. 333, S. 1299, 2006).

Der mächtige Großherzog der Toskana sei von seinem Bruder Kardinal Ferdinando mit Arsen vergiftet worden, ebenso seine Frau. Anschließend habe Ferdinando eine Obduktion der Leichen angeordnet, die dabei entnommenen Organe in Tongefäße gestopft und in die Kirche Santa Maria a Bonistallo bringen lassen.

Die Geschichte der Medici ist eine Geschichte voller Intrigen und mysteriöser Vorfälle, nicht alle Angehörigen dieser mächtigen Herrscherfamilie starben eines natürlichen Todes. Auch in der Umgebung von Francesco I. gab es zahlreiche Morde und ungeklärte Todesfälle. Seine Brüder Giovanni und Garzia waren 1562 kurz nacheinander ebenfalls unter ungeklärten Umständen gestorben.

Seit mehr als zwei Jahren versuchen Paläopathologen, die verworrene Krankheitsgeschichte der Medici aufzuklären. Leiter des Projekts ist Gino Fornaciari von der Universität Pisa. "Wir können feststellen, was in den letzten Tagen vor dem Tod eines Menschen passiert ist, ob jemand beispielsweise vergiftet wurde oder nicht", sagt Fornaciari.

In einer aufwendigen Aktion im Dezember 2004 lässt er das Familiengrab der Medici in der Basilika San Lorenzo in Florenz öffnen und Proben der sterblichen Überreste der Medici entnehmen.

Hinweis im Verzeichnis für Hochzeiten und Todesfälle

Auch Franceso Mari und seine Kollegen sind damals dabei, sie konzentrieren sich auf Francesco I., erhalten eine Probe vom Oberschenkelknochen und entnehmen - was später noch Anlass für heftige Diskussionen sein wird - angeblich auch ein Barthaar mit einem winzigen Hautrest daran.

Doch die entscheidende Entdeckung macht Maris Mitarbeiterin, die Medizinhistorikerin Donatella Lippi. In den historischen Kirchenarchiven von Pistoia, im Verzeichnis für Hochzeiten und Todesfälle, findet sie ein wichtiges Dokument: Demnach würden in der Krypta von Santa Maria a Bonistallo in vier Tongefäßen die Überreste des Herrscherpaars aufbewahrt.

Sie fährt in die kleine Gemeinde Poggio a Caiano und findet in der Kirche die Gefäße. Darin liegen auch zwei Kruzifixe, die andeuten, dass hier zwei Menschen begraben liegen. Die Forscher entnehmen Proben. Unter dem Mikroskop erkennen sie, dass es sich bei einer Probe um Lebergewebe handelt.