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Leblose Liebhaber:Scheintod zum Sex

Männliche Listspinnen haben eine ungewöhnliche Strategie entwickelt, um ihre Chancen auf Fortpflanzung zu erhöhen. Die Tiere nähern sich einem Weibchen und ziehen dann eine "Ich bin tot"-Show ab.

Zur Nachahmung ist die Strategie männlicher Listspinnen ( Pisaura mirabilis, auch Raubspinne oder Brautgeschenkspinne) selbst einem wirklich verzweifelten Liebhaber nicht zu empfehlen: Um ihre Chancen auf Sex zu erhöhen, stellen sich die Tiere tot. Und haben damit Erfolg.

Weibliche Listspinnen lassen sich mit scheintoten Männchen ein.

(Foto: Foto: T. Tarvainis/Wikipedia, Verwendung gemäß GNU Free Documentation License)

Wie dänische Wissenschaftler berichten, kamen von jenen Spinnen, die Thanatosis - also einen Scheintod - zeigten, 89 Prozent zum Ziel. Von ihren Konkurrenten schafften es nur 40 Prozent, Weibchen zu begatten.

Bekanntlich gehen viele Spinnenmännchen ein hohes Risiko ein, wenn sie versuchen, sich einer potentiellen Partnerin zu nähern: Sie könnten als Beute betrachtet und verspeist werden.

Auch haben die Weibchen möglicherweise gar kein Interesse an einer Kopulation. Zur Ablenkung und als Brautgeschenk bieten sich männliche Listspinnen den Weibchen deshalb Nahrung wie eine tote Fliege an.

Während die Dame des Netzes sich darüber hermacht, nutzen die Männchen die Gelegenheit: Plötzlich wieder ganz lebendig begatten sie das Weibchen, das offenbar nun keine Einwände mehr hat.

Bislang dachte man, dass der Scheintod der Männchen ein Versuch ist, den kannibalischen Anwandlungen der Weibchen zu entgehen, die neben dem Geschenk des Freiers diesen gern gleich mit verspeisen würden.

Scheintote kopulieren länger

Doch es steckt offenbar mehr dahinter. Wie Trine Balde und ihre Kollegen von der Universität Århus im Fachmagazin Behavioral Ecology (Fachartikelnummer: DOI 10.1093/beheco/arm165) berichten, reagierten Männchen zum Beispiel auf besonders aggressive Weibchen nicht eher mit einer "Ich bin tot"-Show, als bei sanfteren Partnerinnen.

Auch wandten Tiere, die in einem gesundheitlich schlechteren Zustand waren - die Forscher hatten ihnen dazu ein Bein entfernt - die Strategie nicht häufiger an als gesunde Artgenossen.

Dafür aber kamen die hinterlistigen Männchen nicht nur häufiger zur Begattung. Sie konnten sich auch länger paaren und so mehr Eier befruchten.

Bislang kannte man das Phänomen des Scheintodes im Tierreich nur als Methode von Beutetieren, die versuchen, Räubern zu entgehen. Was die Dänen entdeckt haben, ist offenbar eine Weiterentwicklung dieser Technik.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Männchen den Scheintod tatsächlich als Strategie entwickelt haben, um den Widerstand der Weibchen zu überwinden", schreiben die Forscher.

In der Lage, den Trick anzuwenden, waren alle Männchen. Doch einige nutzten die Methode häufiger als andere. Warum, darüber können die Wissenschaftler nur spekulieren.