Klimawandel In der Hitze des Atlantiks

Wirbelstürme wie Irma im September 2017 wird es bald häufiger geben.

(Foto: AP)

Hohe Wassertemperaturen im Atlanik lassen die Zahl der starken Hurrikane steigen. Und sogar schwache Stürme verfügen durch die Erderwärmung bald über besondere Zerstörungskräfte.

Von Christopher Schrader

Den Namen Harvey, Irma oder Maria wird nie wieder ein atlantischer Wirbelsturm tragen. Sie wurden aus der Liste gestrichen, weil Stürme mit diesen Bezeichnungen zusammen fast 3200 Todesopfer verursacht hatten, die meisten in Puerto Rico. Sechs Hurrikane der Kategorien drei bis fünf hatte es 2017 gegeben, erheblich mehr als im langjährigen Durchschnitt von 2,7. Wissenschaftler haben jetzt die wichtigste Ursache für diese Häufung identifiziert: die hohen Wassertemperaturen im tropischen Atlantik (Science).

Um das zu belegen, nutzte das Team um Hiroyuki Murakami von der US-Atmosphärenbehörde NOAA ein bewährtes Computermodell. Solche Simulationsrechnungen erlauben es Wissenschaftlern, Faktoren zu Testzwecken zu manipulieren: In diesem Fall schalteten sie die übermäßige Wärme in Teilen der Ozeane nacheinander aus. Ohne die erhöhten Temperaturen im tropischen Atlantik wäre die Hurrikan-Saison demnach durchschnittlich ausgefallen. Die Verhältnisse an der US-Ostküste oder im Pazifik änderten hingegen kaum etwas an der Zahl der stärksten Stürme.

Wirbelstürme entstehen nur, wenn das Meer zwischen Westafrika und der Karibik mindestens 26 Grad Celsius warm ist. Dann steigt die Zahl der starken Hurrikane mit jedem Bruchteil eines Grads, und 2017 war das Wasser um 0,6 bis 0,8 Grad wärmer als gewöhnlich. Allerdings können die Forscher nicht unterscheiden, ob vor allem natürliche Schwankungen oder der Einfluss der von Menschen verursachten Treibhausgase für die übermäßige Erwärmung in jener Region verantwortlich waren. Beides sei möglich, heißt es in Science.

Die Studie liefere "einen Beleg für künftig häufigere starke Hurrikane im Atlantik", sagt Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. Drei Einschränkungen gebe es aber: So sei noch unklar, wie der Klimawandel die Erwärmung des tropischen Atlantiks genau beeinflusse, wie sich das pazifische Wetterphänomen La Niña verändere und ob der Atlantik insgesamt durch eine Abschwächung des Golfstroms etwas kühler werde. Die Forscher haben also noch viel zu tun.

Derweil zeigt Hurrikan Florence, der vor zwei Wochen die USA getroffen hatte, dass Windstärke nicht der einzige Auslöser für Zerstörungen ist. Der Sturm schwächte sich auf Kategorie eins ab, bevor er die Küste erreichte. Dort blieb er tagelang hängen und schüttete bis zu 91 Zentimeter Regen aus. Dass Tiefdruckgebiete nicht weiterziehen, halten viele Forscher auch für eine Folge des Klimawandels, da dieser Höhenwinde schwächt.