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Klima:Der Spuk hat ein Ende

The Wider Image: Struggle for survival in Somaliland

Stark von Dürre betroffen: das Dorf Botor, in der Republik Somaliland, die an Äthiopien grenzt.

(Foto: Siegfried Modola/Reuters)

Das Wetterphänomen El Niño ist abgeflaut, erklärt die US-Klimabehörde NOAA. Es war einer der drei stärksten El Niños, die es je gab, zusammen mit dem Klimawandel brachte er extrem warmes Wasser. Nun steht La Niña bevor.

Nach mehr als einem Jahr ist der Spuk vorerst vorbei: Die US-Wetter- und Klimabehörde NOAA hat das seit Monaten wütende, ungewöhnlich starke Wetterereignis El Niño für beendet erklärt. Vielen Regionen der Welt hat das Phänomen Überschwemmungen oder extreme Trockenheit gebracht. Auch in Afrika dürfte El Niño ein Grund für verheerende Dürren gewesen sein - die daraus resultierende Hungerkrise dauert noch an. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich nun bald das Gegenstück, La Niña, bemerkbar macht.

Zu einem El Niño kommt es alle paar Jahre, wenn aus noch nicht ganz geklärten Gründen die ansonsten beständigen Passat-Ostwinde über dem Pazifik abflauen. Der kalte Humboldt-Strom vor Südamerika kommt dann zum Erliegen und das Wasser erwärmt sich dort, während es in Asien abkühlt. In der Folge entstehen über Amerikas Westküste Tiefdruckgebiete mit starken Regenfällen, in Asien kommt es zu Trockenheit, in Afrika ist beides möglich. In Europa ist das Phänomen kaum zu spüren. Weil das Ereignis in Südamerika meist um die Weihnachtszeit stark spürbar ist, entstand der Begriff El Niño, das Christkind.

Der El Niño von 2015/2016 war nach US-Angaben einer der drei stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen; vergleichbar demjenigen des Jahres 1998. Zusammen mit dem Klimawandel produzierte er weltweit extreme Ozeantemperaturen: Das Jahr 2016 brachte bereits das wärmste je gemessene Januar-, Februar-, März- und Aprilwasser, so wie auch Mai bis Dezember 2015 jeweils neue Wärmerekorde setzten.

Inzwischen hat sich das Wetter beruhigt, in drei von vier überwachten Regionen im tropischen Pazifik, die El Niño erwärmt, lägen die Temperaturen in der Nähe des Durchschnitts oder darunter, meldete die NOAA in der vergangenen Woche. Erstmals in diesem Jahr seien auch die Muster von Wind und Luftdruck normal.

Laut der NOAA beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa 75 Prozent, dass im Herbst und Winter 2016 La Niña auftritt, das Gegenstück, das meist auf El Niño folgt. Dann kehren sich die El-Niño-Prozesse um, und das Wasser vor Südamerika wird ungewöhnlich kalt statt warm. Das kann tendenziell mehr Regen nach Südostasien bringen. Allerdings sind die Auswirkungen insgesamt meist schwächer als bei El Niño. Zudem sagen die US-Klimaforscher derzeit eher eine schwache bis mäßige La Niña voraus.