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Internationale Walfangkommission:"Von Japan bestochen"

Besonders die Europäer hatten das Kompromisspapier heftig kritisiert und Druck auf Island ausgeübt. So hatte die EU-Kommission festgestellt, dass der Walfang mit dem Gemeinschaftsrecht "nicht vereinbar" ist.

Neben den starren Positionen der Teilnehmer lähmten Korruptionsvorwürfe die Konferenz. So hat die Walfangnation Japan nach Recherchen der britischen Zeitung Sunday Times die Reise und die Hotelkosten für den Konferenzleiter Anthony Liverpool bezahlt.

Schon lange beschuldigen Tierschützer Japan zudem, Stimmen für den Walfang zu kaufen. "24 der 88 Mitgliedsländer sind von Japan offensichtlich bestochen worden", sagte Greenpeace-Sprecher Thilo Maack. "Länder, die hohe Entwicklungshilfe von Japan erhalten, tauchen bei der Konferenz auf und stimmen für Japan."

Auch Maack ist zufrieden mit dem Versenken des Papiers: "Die IWC hat den Holzweg auf dem sie war, verlassen." Nun könne man neue Wege gehen, um aus der Walfangkommission eine Walschutzkommission zu machen.

"Es gibt ein paar gute Elemente, die man aus dem Papier herausnehmen kann", sagte Nicolas Entrup von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. "Für die Wale ist es gut, dass das Papier vom Tisch ist."

Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife wertete die Entscheidung als großen Erfolg. Der Kompromiss hätte ausgerechnet die Länder belohnt, die seit vielen Jahren das Walfangverbot ignoriert haben, betonte die Organisation. "Die völlig antiquierte IWC muss endlich ein Abkommen zum Schutz der Wale werden. Denn nicht nur Harpunen bedrohen die Wale, sondern auch die Verschmutzung und Erwärmung der Meere", sagte die Biologin Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Die Umweltstiftung WWF zeigte sich eher enttäuscht. "Nach wie vor bleibt der Walfang außerhalb der internationalen Kontrolle und der Status quo wird zementiert", sagte WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. "Bedrohte Arten bleiben weiter auf der Abschussliste Japans." Es sei wichtig, weiter an einem Kompromiss zu arbeiten.

Auf der bis Freitag andauernden Konferenz in Agadir werden nun noch einzelne Themen wie Walschutzgebiete, Walfang indigener Völker und finanzielle Fragen verhandelt. So möchte zum Beispiel Grönland die Erlaubnis, zehn Buckelwale pro Jahr zu erlegen.

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