Internationale Walfangkommission Jagd auf Wale bleibt verboten

Ein Kompromisspapier, das die Jagd auf Wale eingeschränkt und befristet erlauben sollte, ist auf der Konferenz der Internationalen Walfangkommission abgelehnt worden. Tierschützer können aufatmen - zumindest vorerst.

Der Fang von Großwalen bleibt international offenbar verboten. Auf der Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) im marokkanischen Agadir wurde ein umstrittener Textentwurf zur Zukunft des Walfangs verworfen.

Das Kompromisspapier des IWC zu einem eingeschränkten Walfang ist vom Tisch. Vorerst.

(Foto: dpa)

"Für diese Sitzung ist das Kompromisspapier vom Tisch", sagte der deutsche Delegationsleiter Gert Lindemann in Agadir. "Alle Regierungen haben an ihren Positionen festgehalten." Die Position der 88 teilnehmenden Länder hatten sehr weit auseinander gelegen, erklärte der Vorsitzende der Konferenz, Anthony Liverpool.

"Nach fast drei Jahren Diskussionen scheint es so, als steckten die Verhandlungen in einer Sackgasse", sagte die US-Delegierte Monica Medina. Ursprünglich war geplant, die Gespräche noch bis Freitag fortzuführen. Ob es dazu kommt, schien zunächst fraglich.

Die japanische Walfangbeauftragte Yasue Funayama wies den Walfanggegnern die Schuld am Scheitern der Verhandlungen zu. Ihr Land habe weitgehende Zugeständnisse angeboten, um einen Kompromiss zu erzielen, sagte sie. Aber es gebe Länder, die sich gegen das Töten auch nur eines einzigen Tieres sperrten.

Nach dem Entwurf hätte Japan, Island und Norwegen der Walfang mit festen Quoten für zehn Jahre erlaubt werden sollen. Diese Länder jagen die Meeressäuger ohnehin.

Die Autoren des Kompromisspapiers hatten gehofft, durch Abschussquoten die Jagd kontrollieren zu können und die Wale weltweit so besser zu schützen. Darüber hinaus war ihre Hoffnung, das völlig zerstrittene Gremium wieder handlungsfähig zu machen.

Das Papier sah vor, den Walfang befristet zu legalisieren. Die Fangquoten sollten bei jährlich 1400 Tieren in den nächsten zehn Jahren liegen. Bislang werden etwa 2000 Tiere jedes Jahr getötet. Allerdings sollte auch die Jagd auf einige gefährdete Walarten erlaubt werden.

Das Walfangverbot, das seit 1986 gilt, werde nun bestehen bleiben, sagte Lindemann. Allerdings halten sich Japan, Island und Norwegen nicht daran und werden nun - unkontrolliert - weiterhin jagen. Die Walfangnationen erkennen das Fangverbot nicht an oder berufen sich auf umstrittene Ausnahmeregelungen. So jagen Japan und Island die Tiere angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken. Das Fleisch der Tiere landet jedoch immer wieder in Feinschmecker-Restaurants. Island und Norwegen berufen sich darüber hinaus auf Traditionen. Seit dem Jagd-Moratorium haben die drei Länder etwa 35.000 Wale getötet.

Dem Vorschlag der IWC zufolge hätten die Walfänger bis 2015 jährlich zehn Prozent weniger Tiere töten dürfen als sie es in den beiden vergangenen Jahren getan haben. Bis 2020 sollte die Zahl dann weiter sinken.

Das Wissenschaftskomitee des IWC hatte allerdings kritisiert, dass die vorgeschlagenen Zahlen zu hoch seien. Das gelte insbesondere für die Finn- und Minkwale im Nordatlantik, bemängeln die Experten. "Die Wissenschaft wurde bei den Verhandlungen an den Rand gedrängt", bemerkt der US-Meeresbiologe Scott Baker, der dem IWC-Wissenschaftskomitee seit mehr als 15 Jahren angehört.

Die Ablehnung des Papiers sei keine endgültige Entscheidung - nach einer Abkühlungsphase von mindestens einem Jahr solle weiterverhandelt werden, betonte Lindemann.

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