Genetik Strahlenfest

Ein Gen schützt die seltsamen Bärtierchen sogar im Weltall vor gefährlicher Strahlung. Es steuert die Erbanlage für ein Protein, das sich wie ein Schutzmantel um die DNA legt. Auch menschliche Zellen schützt das Gen vor Strahlenschäden.

Von Hanno Charisius

Ein Gen schützt Bärtierchen vor gefährlichen Strahlenschäden. Die auch Wasserbären genannten Tiere werden nur bis zu einem Millimeter groß, leben im Wasser und sehen aus wie winzige Gummibärchen mit vier Beinpaaren. Sie sind so außerordentlich hart im Nehmen, dass sie sogar einen ungeschützten Ausflug ins Weltall überstehen, wo sie tiefsten Temperaturen und hohen Strahlendosen ausgesetzt sind. Jetzt hat ein japanisches Biologenteam jene Erbanlagen gefunden, die den Bärtieren wahrscheinlich ein Überleben in einer strahlenden Umgebung ermöglichen. Bislang ist kein anderer Organismus bekannt, der ein ähnliches Gen besitzt.

Die Forscher nennen das Strahlenschutzgen Dsup, kurz für den englischen Begriff: damage suppressor. Es steuert den Bauplan für ein Protein, das sich wie ein Schutzmantel um die DNA legt. Im Fachjournal Nature Communications berichten die Biologen nicht nur, wie sie die Erbanlage aufgespürt haben, sondern beschreiben auch ein weiteres Experiment. Sie fügten das Gen im Labor in menschliche Zellen ein, auch diese produzierten in der Folge das Protein, das maßgeblich für den Strahlenschutz zuständig ist. Damit waren auch sie besser vor Schäden durch Strahlung geschützt als Zellen ohne das Zusatzgen aus den Bärtierchen. Die Analyse ergab, dass Zellen mit implantiertem Dsup-Gen 40 Prozent weniger kaputte DNA-Bausteine enthielten, nachdem sie mit Röntgenstrahlen beschossen worden waren, als Vergleichszellen ohne Bärtierchengen. Die Wissenschaftler sind gespannt, was für Gene das extreme Erbgut der seltsamen Tierchen noch beherbergt.