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Frage der Woche:Leben Optimisten länger?

Angeblich ist eine positive Einstellung gesund und steigert die Lebenserwartung. Ist da wirklich was dran?

Optimismus an der falschen Stelle kann tödlich sein. Der Satz "Wird schon gut gehen" gehört sicher zu den häufigsten letzten Worten. Und Autofahrer, Hobby-Elektriker, Bergsteiger oder Piloten können ihre Lebenserwartung deutlich erhöhen, wenn sie einen gewissen Pessimismus pflegen.

Trotzdem heißt es, Menschen mit einer optimistischen Grundhaltung seien gesünder und lebten länger. Und tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Studien, die auf diesen Zusammenhang hindeuten.

So haben Forscher der Miami University in Ohio und der Yale University festgestellt, dass ältere Bürger der Stadt Oxford in Ohio mit einer positiven Lebenseinstellung im Schnitt 7,5 Jahre länger lebten als ihre pessimistischen Mitbürger.

Und ein US-Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, hat beobachtet, dass das Sterberisiko für Pessimisten für ein beliebiges Jahr um fast ein Fünftel höher liegt als der Durchschnittswert.

Schließlich konnten niederländische Wissenschaftler zeigen, dass Optimismus unter älteren Menschen das Leben erheblich verlängern kann. Die Forscher um Erik J. Giltay von Psychiatric Center GGZ Delfland in Delft hatten fast 1000 Männer und Frauen im Alter von 65 bis 85 Jahren nach ihrer Lebenseinstellung befragt. In den nächsten neun Jahren waren etwa 400 von ihnen gestorben.

Wie die Wissenschaftler feststellten, lag das Sterbesrisiko für die Optimisten um fast die Hälfte niedriger als bei den Pessimisten - wobei vor allem Männer von den Effekten profitierten. Konzentrierten sich die Forscher auf Herz-Kreislauf-Krankheiten als Todesursache, so war das Risiko für Frauen und Männer mit einer optimistischen Einstellung sogar um etwa 75 Prozent niedriger.

Und die allerglücklichsten Männer, so stellten Giltay und sein Team fest, verringerten ihr Risiko zu sterben um fast zwei Drittel.

Vorteile für Optimisten

Erklärungen für dieses Phänomen gibt es einige. So sind Optimisten offenbar häufiger körperlich aktiv und gehen mit Stress effektiver um als Pessimisten. Sie können sich auf neue Situationen besser einstellen und probieren mehr Wege aus, um mit Problemen - auch gesundheitlichen - umzugehen. Sie sind psychisch stabiler und haben es leichter, soziale Unterstützung zu finden.

Auch hängt eine negative Lebenseinstellung manchmal mit der persönlichen Krankengeschichte zusammen. Wer häufig krank ist, hat es schwerer, positiv zu denken als jene, die vor Gesundheit strotzen.

Möglicherweise, so spekulieren einige Wissenschaftler, gibt es auch genetische oder immunologische Faktoren, die zugleich krank und pessimistisch machen. Demnach darf man nicht davon ausgehen, dass der Rat, man solle doch endlich mal das Positive sehen, einfach zu befolgen ist.

Außerdem kann Optimismus in die Irre führen. Bekanntlich neigen wir zum Beispiel dazu, die Haltbarkeit von Beziehungen oder unsere Chancen auf einen Lottogewinn weit zu überschätzen.

Oder, wie Wissenschaftler der University of Chicago und der Yale University jetzt festgestellt haben, wir entscheiden uns trotz unserer Diät für den fetthaltigen Snack, weil wir überzeugt sind, langfristig das Ziel sicher zu erreichen.

Das passiert Pessimisten nicht so schnell. Und sie entwickeln auch weniger Depressionen als Optimisten, wenn sie im Alter Verwandte oder Freunde verlieren, wie Derek Isaacowitz von der Brandeis University im Massachusetts beobachtet hat.

Und dass auch Optimismus ein gesundes Maß braucht, konnten kürzlich Wissenschaftler von der Duke University in Durham, North Carolina zeigen. Manju Puri und David Robinson verglichen Daten von Optimisten und "extremen Optimisten" - das sind jene, die ihre eigene Lebenserwartung um 20 Jahre höher einschätzen als die tatsächliche durchschnittliche Lebensdauer.

Zwar hatten die beiden Wirtschaftsexperten nicht untersucht, wie alt Mitglieder dieser beiden Gruppen tatsächlich werden. Doch es gab deutliche Unterschiede im Verhalten. In kleinen Dosen kann Optimismus zu weisen Entscheidungen führen, berichten Puri und Robinson, aber zumindest in Geldsachen legten extreme Optimisten nicht gerade umsichtige Gewohnheiten an den Tag. Und sie tendierten zum Rauchen.

Vermutlich gehen sie davon aus, dass ihnen die Zigaretten weniger schaden als anderen, und dass es ihnen bereits morgen gelingen wird, das Laster aufzugeben. Ganz leicht, natürlich.