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Frage der Woche:Gibt es eine tierische Kultur?

Ihre Ergebnisse, so schreiben die Forscher, passen nicht zu der Hypothese, dass die Unterschiede in den Verhaltensmustern verschiedener Populationen genetisch bestimmt sind.

In den fünfziger Jahren malte der Schimpanse Congo Bilder, für die auf Auktionen richtig viel Geld bezahlt wurde. Ein Beweis für Kultur sind die Gemälde aber noch nicht.

(Foto: Foto: AP)

Know-how-Transfer zwischen Populationen

Vermutlich ist es eher so, dass einzelne Tiere in ihrer Heimat eine spezielle Technik - zum Beispiel zum Nüsseknacken - erlernt haben. Schließen sie sich dann einer anderen Population an, so nehmen sie ihr Wissen mit. Dieses wird von den neuen Kameraden übernommen und an die jeweils herrschenden Umweltbedingungen angepasst, vermutet Lycott.

Demnach "stimmen die Ergebnisse überein mit einer wachsenden Zahl von Studien, die darauf deuten, dass viele Verhaltensweisen von Schimpansen sozial erlernt sind und als kulturell betrachtet werden können", schließen die Wissenschaftler.

Nun wird unter Wissenschaftlern zunehmend diskutiert, dass auch moralisches Verhalten, Normen und Regeln des Zusammenlebens sowie das ästhetische Empfinden bei Menschen stärker von den Genen bestimmt werden, als bislang angenommen. Vor diesem Hintergrund scheint die Kluft zwischen dem, was wir als Kultur definieren, und dem, was wir im Tierreich als kulturähnliche Phänomene beobachten, zu schrumpfen.

Zwar ist nicht zu erwarten, dass wir einmal Zeugen eines klassischen Schimpansen-Konzerts werden, dass Gorillas eine Raumstation bauen oder Makaken eine Bibel schreiben.

Betrachtet man den Kulturbegriff gemäß des "Meyer Lexikons" im Sinne seiner weitesten Verwendung, so bezeichnet er "all das, was der Mensch geschaffen hat, was also nicht naturgegeben ist."

Aber naturgegeben ist das Nüsseknacken der Schimpansen mit Hilfe von Werkzeugen offenbar genauso wenig wie das Schreiben eines Sonetts.

"Die neue Studie", kommentierte Andrew Whiten von der britischen University of St. Andrews im Fachmagazin PNAS, "könnte den Brückenschlag unterstützen zwischen der Arbeit derjenigen, die sich auf menschliche und nicht menschliche Formen von Kultur konzentrieren - und darüber hinaus die aufregende Aussicht auf eine mehr ganzheitliche Kulturwissenschaft."