Ernährung Magerquark

Low-Carb-Diäten haben einer großen Analyse zufolge mehr Erfolg als Abnehmprogramme mit fettarmen Produkten. Doch beide haben einen entscheidenden Haken.

Von Berit Uhlmann

Der kleine Speckrand am Schinken wird pflichtschuldig weggeschnitten, der Kaffee stets mit fettfreier Milch getrunken: Wer sich fragt, ob diese Restriktionen seiner Figur tatsächlich nützen, bekommt viele unterschiedliche Einschätzungen. Wissenschaftler aus Boston haben nun 53 Abnehm-Studien mit mehr als 68 000 Teilnehmern ausgewertet. Ihr Fazit: "Das allgegenwärtige Dogma, dass man das Fett aus seiner Ernährung streichen muss, um Gewicht zu verlieren", hat keinen Bestand. Low-Fat-Diäten schnitten in der Meta-Analyse (Lancet Diabetes & Endocrinology) schlechter ab als Low-Carb-Programme.

Was nach einer Aufforderung klingt, die Gemüsepasta ruhig durch die Speckpfanne zu ersetzen, hat allerdings einen Haken: Auch Low-Carb verspricht kaum Erfolg. Mit den vermeintlich überlegenen kohlenhydratarmen Diäten wurden die Studienteilnehmer im Schnitt nur 1,1 Kilogramm leichter als die Low-Fat-Anhänger. "Das ist klinisch unbedeutend", urteilt der US-Ernährungsexperte Kevin Hall in einem begleitenden Kommentar. Insgesamt hatten die Zehntausenden Probanden nach mindestens einem Jahr nicht einmal vier Kilogramm abgenommen.

Den Grund sieht Hall in der Laufzeit der ausgewerteten Studien. Erfasst wurden nur solche Untersuchungen, die mindestens zwölf Monate dauerten - eine Spanne, in der viele Diäten bereits wieder aufgegeben werden. Wissenschaftler haben wiederholt gezeigt, dass Abnehmwillige den Gipfel ihres Erfolges nach etwa sechs bis acht Monaten erreichen und danach wieder zunehmen. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Diät liege darin, ihr langfristig treu bleiben zu können, mahnt Frank Hu, Autor der Studie. Das gelingt nur, wenn die erlaubten und verbotenen Speisen zu den persönlichen Vorlieben und dem Umfeld des Abnehmwilligen passen. Im Zweifelsfall kann damit auch eine fettarme Diät sinnvoll sein. Denn wer sie einhält, nimmt der aktuellen Analyse zufolge immerhin mehr ab, als Menschen, die sich ohne jede Einschränkung ernähren.

Erst vor Kurzem haben sich US-Wissenschaftler für Fett starkgemacht. Sie fordern, dass die Ernährungsleitlinien keine Obergrenzen mehr für den Fettgehalt der Nahrung aufweisen sollten, denn einen wissenschaftlichen Grund für die Begrenzung gebe es nicht.