Chinas Mond-Mission:Erste Aufnahmen vom "Jadehasen"

Die Landung erfolgte planmäßig, nun haben sich Chinas Mondsonde "Chang'e" und der Rover "Yutu" (Jadehase) gegenseitig aufgenommen und die Bilder zur Erde geschickt.

Das chinesische Mondfahrzeug Yutu (Jadehase) hat am Sonntag seine ersten Aufnahmen vom Mond zur Erde geschickt. Einen Tag, nachdem das Raumschiff Chang'e 3 in der Tiefebene Sinus Iridum (Regenbogenbucht), einer Ausbuchtung des Mare Imbrium, aufgesetzt hatte, beglückwünschte Staats- und Parteichef Xi Jinping am Sonntag die Techniker und Wissenschaftler im Kontrollzentrum in Peking.

Xi und Regierungschef Li Keqiang verfolgten die Live-Übertragung der Bilder im Pekinger Kontrollzentrum, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Der ferngesteuerte Rover und die Raumsonde Chang'e 3 begannen am späten Sonntagabend damit, Fotos voneinander zu machen.

Die Sonde war am Wochenende erfolgreich auf der Oberfläche des Erdtrabanten abgesetzt worden. Mehrere Stunden nach der ersten chinesischen Mondlandung startete dann der Rover Yutu seine Erkundungsfahrt. "Ein chinesischer Traum seit alter Zeit wird wahr", kommentierte Chinas Staatsfernsehen.

Das Landemanöver am Samstag hatte problemlos funktioniert. In der elfminütigen Schlussphase hatte sich Chang'e 3 selbst gesteuert und sich aus einer Höhe von 100 Metern mit seinen Sensoren eine geeignete, flache Landestelle gesucht. Die letzten vier Meter war die Sonde dann im freien Fall auf seine vier gefederten Füße gestürzt.

China ist das dritte Land nach den USA und der früheren Sowjetunion, dem eine Mondlandung geglückt ist. Die USA hatten zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Erdtrabanten gebracht. Das letzte Mal war 1976 eine Sonde weich gelandet und mit Bodenproben auch wieder gestartet: die sowjetische Sonde Luna 24. Seitdem haben Sonden nur noch als "Orbiter" eine Umlaufbahn um den Mond oder als "Einschlagsonden" die Mondoberfläche erreicht.

Chang'e 3, Chinas Mondsonde

Nach der Trennung von der Sonde Chang'e hat der Rover Yutu sie fotografiert

(Foto: AFP/CCTV)

Auch eine chinesische Sonde, Chang'e 1, hatte seit 2007 den Mond umkreist und war 2009 gezielt auf seine Oberfläche gestürzt. Die bislang letzten Sonden, die den Mond erreichten, waren Grail A und Grail B, die die US-Raumfahrbehörde Nasa vor fast einem Jahr mit dem Mond kollidieren ließen.

Chinas Raumfahrzeug ist nach der Mondgöttin Chang'e benannt, die der Legende nach mit einem "Jadehasen" (Yutu) auf dem Mond lebt. Nach diesem tierischen Gefährten wurde der Rover benannt.

Yutu ist ein goldfarbenes Fahrzeug mit sechs Rädern und Solar-Flügeln, das mit einem Tempo von bis zu 200 Metern pro Stunde über den Mond rollen und Steigungen von bis zu 30 Prozent bewältigen soll. Der Rover soll rund drei Monate lang über die Mondoberfläche fahren und unter anderem nach Bodenschätzen suchen. Er besitzt ein Radargerät, das die Mondkruste bis in 100 Meter Tiefe analysieren kann.

Die Sonde Chang'e 3 soll ein Jahr lang stationär im Einsatz bleiben. Eine Rückkehr mit Gesteinsproben zur Erde ist erst bei künftigen Mondflügen bis 2017 geplant.

Die Landung des Mondfahrzeugs war der nächste Schritt des ehrgeizigen chinesischen Raumfahrtprogramms, das bis 2020 den Aufbau einer dauerhaften Weltraumstation vorsieht.

Yutu, Chinas Mond-Rover

Die Namen Chang'e und Yutu (Bild) stammen aus der chinesischen Mythologie

(Foto: AFP/CCTV)

In einer Rede im Kontrollzentrum sagte Vizepremier Ma Kai, die Mondlandung schenke "der Nation, der Partei und der ganzen Bevölkerung" Zuversicht. Der Erfolg läute eine neue Phase für das Raumfahrtprogramm ein. Der Vizepremier versicherte, dass China der friedlichen Nutzung des Weltraums verpflichtet sei.

Der Erfolg sei ein Prestigegewinn für China, "der bedeutende geopolitische Auswirkungen und Vorteile hat", sagte die Expertin Joan Johnson-Freese vom US Naval College. Vor dem Hintergrund der Spannungen in den Inselstreitigkeiten mit seinen Nachbarn erinnere die Landung auch daran, "dass China eine wachsende Militärmacht ist", sagte Dean Cheng von der US-Denkfabrik Heritage Foundation. "China hat ein ausgewachsenes Raumfahrtprogramm und kann seine Ressourcen für alles Mögliche einsetzen - von Waffenlenksystemen über weltraumgestützte Aufklärung bis hin zu globaler Kommunikation", sagte der China- und Raumfahrtexperte. "Im Falle eines Konfliktes stellt China eine ganz andere Herausforderung dar als irgendeine Nation in den vergangenen zwei Jahrzehnten."

© SZ.de/AFP/dpa/mcs/sebi
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