Armenien Das Problem Korruption

Von Felicitas Witte

Die Monate in Rostock haben ihr Leben entscheidend verändert. "Es war genial zu erleben, wie einfach das Studieren in Deutschland ist und was für Möglichkeiten man hat", sagt Julietta Yedoyan. "Zu Hause in Armenien ist das total anders." Das Hauptproblem sei die Korruption. "Die bricht alle vorhandenen Regeln und bremst die Forschung total."

Julietta machte ihren Bachelor und Master in Pharmazeutischer Chemie an der Uni in Jerewan, der drittgrößten Stadt Armeniens. Nach dem Examen wurde ihr ein Teilzeitjob in einer Apotheke angeboten. "Das war finanziell attraktiv", erzählt sie. "Ich wollte aber unbedingt forschen und blieb trotz Geldproblemen in der Wissenschaft." Die Professoren honorierten ihr Engagement und schickten sie für ihre Diplomarbeit im Rahmen eines Austauschprogramms an die Uni Rostock. So gut gefiel es ihr in Deutschland, dass sie nach kurzem Forschungsaufenthalt in den USA jetzt an der Uni Regensburg promoviert.

So wie hier könne sie in Armenien nicht forschen. Dabei sei das Land einmal führend in der chemischen Industrie gewesen. "Nach dem Erdbeben 1988, dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Krieg 1992 - 1994 haben wir alles verloren. Fast alle Wissenschaftler emigrierten, Fabriken waren zerstört, es gab keine Geräte mehr, die Leute litten Hunger - das hat uns um Jahre zurückgeworfen." Nach der Revolution 1998 sei es zwar etwas besser geworden, aber immer noch fehle es an chemischen Stoffen und technischem Gerät. "Im ganzen Land gibt es nur eine NMR-Maschine, mit der wir Stoffe analysieren können, und die ist total veraltet." An der Uni Regensburg gäbe es allein fünf solcher Maschinen. Julietta hatte in Armenien so gute Noten, dass sie ein kleines Stipendium bekam. "Die, die nicht so gut abschneiden, bekommen keinerlei Unterstützung vom Staat und müssen ein teures Darlehen aufnehmen oder liegen ihren Eltern auf der Tasche. Deutschland ist dagegen ein Paradies - der Staat kümmert sich um die Studenten!"