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Amazonas-Indianer:Bekannt - aber ohne Kontakt

Die Bilder gingen um die Welt: Amazonas-Indianer drohen einem Flugzeug mit ihren Waffen. Manche Medien vergaßen allerdings zu berichten, dass ihre Existenz schon lange bekannt ist.

Die Körper der Männer sind rot bemalt. Mit Pfeil und Bogen drohen sie gen Himmel, dem Betrachter des Bildes entgegen. Der Fotograf saß in einem Propellerflugzeug, mit dem er über dem Regenwald im Grenzgebiet zwischen Peru und Brasilien flog.

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Pfeile gegen Flugzeug

Die Öffentlichkeit reagierte begeistert auf die Bilder der Ureinwohner, die Mitarbeiter der brasilianischen Indianerschutzbehörde Funai jüngst veröffentlichten.

Die Fotos bemalter Krieger und mit Blättern gedeckter Häuser wurden von einigen als Beleg dafür angeführt, dass gerade ein bislang unbekannter Stamm von Ureinwohnern entdeckt worden sei, der seit jeher in totaler Isolation von der Außenwelt lebe.

Dabei war untergegangen, was der Funai-Beamte José Carlos dos Reis Meirelles Júnior, der mit in der Cessna gesessen hatte, mitteilte: Dass nämlich die Behörde seit 20 Jahren um die Existenz der betreffenden Gruppe von Ureinwohnern wisse und dass sich diese freiwillig in die Isolation zurückgezogen habe.

Absicht der Funai-Mitarbeiter war es, durch die Veröffentlichung der Fotos, für den Schutz der Gruppen zu sorgen, indem sie Beweise für deren Existenz lieferten.

Freiwillige Isolation bedeute, dass die Gruppe um die Existenz anderer Gesellschaften wisse, sagt Yvonne Bangert, Expertin für indigene Völker Lateinamerikas bei der Gesellschaft für bedrohte Völker. Die Gruppen in dem betreffenden Gebiet hätten sich wahrscheinlich einst vor illegalen Holzfällern zurückgezogen.

Von einem neu entdeckten Stamm könne keine Rede sein - und war es auch nie. Berichte, wonach die Ureinwohner auf den Fotos zum Stamm der Metyktire, eine Subgruppe der Kayapo, zählten, hält Bangert für unwahrscheinlich. Deren Siedlungsgebiete lägen anderswo.

Die Metyktire können immerhin als Beispiel für indigene Gruppen dienen, die in freiwilliger Isolation leben. Im Sommer 2007 tauchten knapp 90 Angehörige dieses Stammes in einem Dorf im brasilianischen Bundesstaat Matto Grosso auf. Nach zwei Tagen verschwanden sie wieder im Wald, noch bevor Funai-Mitarbeiter sie mit Medikamenten versorgen konnten.

Der Kontakt zur Außenwelt kann für isolierte Gruppen tödlich sein, ihr Immunsystem ist mit vielen bekannten Krankheiten wie etwa den Masern überfordert. So starben binnen sieben Jahren 20 Prozent der Yanomami, als in den neunziger Jahren Goldsucher und Bauern in ihr Gebiet am Oberlauf des Orinoco einfielen.