bedeckt München 22°

Alternative Produkte:Plastik vom Acker

Der größte Produzent für Biokunststoffe aus Polymilchsäure, die amerikanische Firma Cargill Dow, nutzt als Rohstoff Mais. Die Pflanzen werden erst zu Stärke, dann zu Traubenzucker verarbeitet. Durch Fermentierung entsteht Milchsäure. Das Verfahren stammt aus dem Jahr 1932.

Die grundsätzlichen Methoden haben sich nicht wesentlich verändert. Die PLA-Grundsubstanz ist ein Granulat, bestehend aus kleinen, hellgelben und halbtransparenten Körnern. Daraus werden Folien, Fasern für Textilien oder Trinkbecher gefertigt - allesamt kompostierbar. Weitere große Produktionsanlagen für PLA sind in den Niederlanden und in Japan geplant.

Becher aus Milchsäure

Doch auch für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen werden fossile Energieträger verbraucht. Die meiste Energie geht dabei in die Prozesswärme bei der Herstellung. Laut Cargill Dow benötigt die PLA-Produktion 30 bis 40 Prozent weniger fossile Energie als die Herstellung herkömmlicher Kunststoffe.

Der Ausstoß von Treibhausgasen sei um 20bis 50 Prozent geringer. Ingo Sartorius vom Verband Kunststoff erzeugende Industrie in Frankfurt am Main hält diese Angaben allerdings für Schönrechnerei. In eine komplette Ökobilanz müssten seiner Meinung nach zusätzliche Faktoren eingehen, etwa der Flächenverbrauch der Pflanzen, aus denen die Bioprodukte hergestellt werden.

Das größte Potenzial für Biokunststoffe sieht der Industrieverband European Bioplastics bei Wegwerfverpackungen: In Deutschland werden jährlich 14 Millionen Tonnen Verpackungen hergestellt, 40 Prozent davon sind Kunststoffe. Etwa 1,8 Millionen Tonnen davon entfallen auf kurzlebige Produkte.

Natürlich sind auch herkömmliche Kunststoffe recycelbar. Eine PET-Flasche für Limonade, Mineralwasser oder Bier landet nach Gebrauch in einem Sammelbehälter, wird nach Asien verschifft, dort zu Textilfasern verarbeitet, wird zu einem Pullover, wird getragen, wird schließlich aussortiert, kommt in die Müllverbrennung und spendet im letzten Schritt der Nutzung die in ihr enthaltene Energie. Landet die PET-Flasche allerdings im Meer, hat sie gute Chancen, mehrere hundert Jahre umher zu schwimmen.

Eine Flasche aus Polymilchsäure dagegen wird innerhalb weniger Wochen im Meerwasser angegriffen und zerfällt dann sehr schnell.

Die Wissenschaftler vom Wiener Alchemia-Nova-Institut haben die Vision einer Kreislaufwirtschaft. Welche Schätze bisher ungenutzt verschleudert werden, zeigten sie am Beispiel von Steinobst.

Anbau in Monokulturen ist nicht sinnvoll

Ein wesentlicher Teil der Ernte, die Fruchtkerne, wird einfach weggeworfen. Dabei kann man die harten Anteile der Kerne zu Strahlmitteln verarbeiten, um die Oberflächen von Metallen zu behandeln.

Der weiche Kern enthält wertvolle Substanzen, woraus man Öle oder Kosmetika gewinnen kann. Nach Ansicht der Forscher ist es nicht sinnvoll, Pflanzen zur Herstellung von Biokunststoffen in großen Monokulturen anzubauen.

Vielmehr müsse man herausfinden, wie sich Pflanzen, die ohnehin angebaut werden, stofflich möglichst vollständig nutzen lassen. Dieses Wissen ermögliche es, Kreisläufe zu bilden. Eine entscheidende Rolle dabei spielt die Kompostierung. Auch Abfallstoffe aus anderen Industrien, etwa Altspeiseöl, könnten dabei Verwendung finden.

© SZ vom 10.10.2006
Zur SZ-Startseite