Alternative Energien:Gas aus dem Baum

Mischwald

Reinhold Egeler: "Biomasse ist kostbar und hat es verdient, so effizient wie möglich verwendet zu werden"

(Foto: dpa)

Wer an Holz und Energie denkt, denkt an Feuer. Aber das Material lässt sich auch zu Gas verschwelen, das Strom und Wärme liefert. Diese Methode ist effizienter, als Holz direkt zu verbrennen.

Von Ralph Diermann

Wer heute aus Holz Energie gewinnen will, tut im Grunde nichts anderes als der altsteinzeitliche Homo erectus - er macht Feuer und verbrennt das Holz. Ziemliche Verschwendung, findet Reinhold Egeler von den Stadtwerken Rosenheim. Er sagt, es sei höchste Zeit, dieses uralte Prinzip durch ein produktiveres Verfahren zu ersetzen: die Vergasung von Holz. "Biomasse ist kostbar und hat es verdient, so effizient wie möglich verwendet zu werden."

Mit einigen Kollegen hat Egeler eine Anlage entwickelt, in der Holzhackschnitzel unter Luftabschluss bei hohen Temperaturen verschwelt werden. Dabei entsteht ein brennbares Gas, mit dem ein Motor Strom und Wärme erzeugt.

Der Vorteil gegenüber der herkömmlichen Verfeuerung in einem Heizkraftwerk: "Wir können mit der Holzvergasung deutlich mehr Strom produzieren", erklärt Egeler. Der elektrische Wirkungsgrad der Anlage beträgt 30 Prozent, Holzheizkraftwerke erzielen nur etwa 15 Prozent. So lässt sich aus einer Tonne Holz doppelt so viel Strom gewinnen.

Die Wärmeproduktion sinkt derweil, aber nicht im gleichen Maß. Die Anlage in Rosenheim speist immer noch fast 60 Prozent der Energie des Holzes in die Fernwärmeversorgung ein.

Holzvergasung ist kein neues Verfahren. Als während des Zweiten Weltkriegs Benzin knapp wurde, rüsteten viele Fahrzeugbesitzer ihre Motoren auf Holzgas um. Die Vergaseranlage montierten sie entweder direkt auf die Karosserie oder zogen sie als Anhänger hinter dem Auto her. Tankstellen nahmen in jener Zeit Holz in ihr Sortiment auf.

Etwa drei Kilo Brennholz ersetzten einen Liter Treibstoff. Sogar manche Panzer wurden in den letzten Kriegsjahren mit Holzgas betrieben. Doch weil das Fahren wenig komfortabel war, geriet die Technik schnell in Vergessenheit, als nach Kriegsende wieder Benzin an den Zapfsäulen verfügbar war.

Erst mit der Suche nach klimafreundlichen Alternativen für die Energieerzeugung besannen sich Forscher und Unternehmen auf das alte Verfahren. So sind heute in Deutschland etwa 150 Holzgas-Anlagen in Betrieb, die meisten von ihnen jedoch mit deutlich geringerer Leistung als die Anlage der Stadtwerke Rosenheim. Vor allem land- und forstwirtschaftliche Betriebe erzeugen so ihre eigene Energie. Die Energieversorger dagegen halten sich noch eher zurück.

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