bedeckt München 26°

Zwischen den Zahlen:Geldsorgen

Nun ist es raus: Topmanager verdienen 54 Mal soviel wie einfache Angestellte. Die Transparenz ist schonungslos und zeigt etwa: Anshu Jain hat am meisten abkassiert.

Über Geld redet man ja nicht so gern, schon gleich gar nicht über das eigene Gehalt. Insofern können einem die Top-Manager der größten deutschen Unternehmen fast leid tun. Abgesehen von einigen Total-Verweigerern wie etwa dem Pharmagroßhändler Celesio, Südzucker oder Axel Springer sind in den allermeisten Konzernen die Bezüge der Vorstandsmitglieder seit einigen Jahren so durchsichtig wie ein frisch geputztes Fenster. Der Blick dadurch zeigt allerdings, dass zu übertriebenem Mitleid kein Anlass besteht. Im Schnitt verdient der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens 5,3 Millionen Euro im Jahr. Und die Vorstände der 30 Dax-Unternehmen insgesamt kommen immerhin noch auf ein durchschnittliches Jahressalär von 3,4 Millionen Euro. Das ist das 54-fache des Gehalts eines einfachen Angestellten, haben Gunther Friedl, Professor an der TU München, und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz berechnet.

Das riecht nach einem Aufruf zu sozialem Aufruhr und mehr Gerechtigkeit. In Wirklichkeit spiegeln sich in der Zahl eher Segen und Fluch der Transparenz wieder. Fluch für die Top-Verdiener, die nun damit leben müssen, angeblich 54-mal so viel wert zu sein wie ein Mitarbeiter in den unteren Etagen. Segen aber für die Öffentlichkeit.

Denn die Transparenz ist schonungslos. Sie zeigt jeden Ausreißer. Zum Beispiel, dass die Fixvergütungen insgesamt stark gestiegen sind, der Anteil der leistungsbezogenen Anteile aber deutlich geringer geworden ist. Ausgerechnet der zurückgetretene Co-Chef Anshu Jain von der Deutschen Bank, dem Gral des deutschen Kapitalismus, kassierte 2014 mit 4,5 Millionen Euro das höchste Fix-Salär überhaupt. Und man weiß dank der Veröffentlichungspflicht auch, dass bei Fresenius (74 Prozent) und Lanxess (42 Prozent) die Bezüge exorbitant gestiegen sind, obwohl bei beiden 2014 die Gewinne zurückgingen. In einem funktionierenden Vergütungssystem darf das eigentlich nicht sein.

Die Autoren raten, dass die Aufsichtsräte die Manager-Bezüge genauer im Auge behalten sollten, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu wahren. Die Revolution wird also vorerst abgeblasen. Reden über Geld und Gehalt ist hingegen dringend überfällig.