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Villa aus "Breaking Bad":Nur die Drogenküche fehlt

Vermeintlich idyllisch: In der spanisch angehauchten Villa in Albuquerque wurden Drogen gekocht und Leichen vernichtet - alles fiktiv natürlich.

(Foto: Russell Contreras/ap)

330 Quadratmeter, viele Erinnerungen: Im amerikanischen Albuquerque steht Jesse Pinkmans Villa aus der Serie "Breaking Bad" zum Verkauf.

Von Felicitas Wilke

Die Villa thront auf einem großen Grundstück in ruhiger Lage, knapp 330 Quadratmeter Wohnluxus im spanischen Kolonialstil. Vier Schlafzimmer, zwei Terrassen, drei Bäder. Und obendrauf: wilde Partys, ein Labor im Keller und eine zersetzte Leiche in der Badewanne. Das Haus mit der Nummer 322 in der 16. Straße in Albuquerque, New Mexico, hat eine bewegte Vergangenheit. In der US-Fernsehserie "Breaking Bad" zieht Jesse Pinkman, einer der tragenden Charaktere, hier ein. Die Serie ist mittlerweile auserzählt, jetzt können solvente Fans die Immobilie kaufen - für 1,6 Millionen Dollar.

Jesse ist ein Verlierertyp. Er war ein mieser Schüler in der High School, hat keine Arbeit und kifft, nimmt aber auch härtere Drogen. Zufällig trifft er eines Tages seinen ehemaligen Chemielehrer Walter White wieder. Walter, zu diesem Zeitpunkt noch braver Familienvater, hat vor Kurzem erfahren, dass er an Krebs erkrankt ist und kann sich die teure medizinische Behandlung von seinem Lehrergehalt nicht leisten. Er beschließt verzweifelt, sein chemisches Können zu Geld zu machen und bringt Jesse dazu, mit ihm Crystal Meth zu kochen.

Gemeinsam geraten sie über fünf Staffeln hinweg immer tiefer in den kriminellen Sumpf des Drogenhandels. Von seinen illegal verdienten Drogenmillionen kauft sich Jesse zu Beginn der dritten Staffel der Serie das adrette Häuschen mit Kronleuchter und Kaminofen. Er, selbst drogensüchtig, erlebt dort ein Wechselbad der Gefühle. An einem Tag feiert er mit gefühlt hundert Gästen wilde Drogenpartys, kurz darauf sitzt er weinend im vermüllten Wohnzimmer, weil ihm klar wird, in was er da hineingeraten ist.

Die Villa zieht schon seit Jahren Touristen an

Auch eine der eindringlichsten Szenen der Serie spielt sich in dem Haus ab, das jetzt zum Verkauf steht. Als Jesse und Walter White versuchen, die Leiche eines ermordeten Widersachers in der Badewanne in Säure aufzulösen, frisst sich die ätzende Flüssigkeit durch die Decke - die Badewanne stürzt mitsamt Blut und Leichenteilen in Jesses Küche. Und das vor den entsetzten Blicken der beiden Drogenköche. Mittlerweile sollte die Küche wieder aufgeräumt und auch die Badewanne wieder hergestellt sein.

Die bisherigen Besitzer hätten während der Dreharbeiten "hin und wieder" im Haus gewohnt, sagte eine Maklerin dem amerikanischen Fernsehsender CNN. Die Villa zieht schon seit Jahren Touristen an, die nach Albuquerque kommen. Außerdem ist sie Teil einer Bustour, bei der Serienfans sämtliche Drehorte bestaunen können.

Jetzt scheint es den Eigentümern mit Schaulustigen vor der Haustür zu reichen - oder sie haben einfach abgewartet, bis der Kultstatus der Serie den Preis der Immobilie weiter nach oben treibt. Für die Häuser aus den Filmklassikern "Der Pate" und "Kevin allein zu Haus" fanden sich bereits im vergangenen Jahr neue Käufer, die ruhmreichen vier Wände kosteten jeweils etwa drei Millionen Dollar. Zuschauer von "Breaking Bad" sind besonders enthusiastisch: Vor einiger Zeit legte ein Fan fast 10 000 Dollar für Walter Whites weiße Unterhose hin. Dagegen wirken die 1,6 Millionen Dollar für die Villa in New Mexico doch fast wie ein Schnäppchen. Und das, obwohl es im Keller keine Drogenküche mehr gibt. Das stellten die Makler sicherheitshalber klar.

© SZ vom 31.07.2015/sana

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