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Zeitfracht:Weltraum-Abenteuer beendet

Gut vier Monate nach der Übernahme der Berliner Mondfirma PTS aus der Insolvenz, hat die Logistikfirma Zeitfracht das Unternehmen schon wieder verkauft.

Das Intermezzo bei der Berliner Logistikfirma Zeitfracht war kurz: Gut vier Monate nach Übernahme des Berliner Raumfahrt-Start-ups PTS (Planetary Transportation Systems), haben sich beide Firmen wieder getrennt. Nach einem Management-Buyout befindet sich die Space-Firma, die mit Frachtflügen zum Mond Geld verdienen möchte, nun in Besitz der PTS-Führung, wie aus Mitteilungen beider Unternehmen hervorgeht. Zum Team gehören auch PTS-Finanzchef André Radloff und Technikchef Jesse Eyer, die als Doppelspitze fungieren.

PTS-Gründer Robert Böhme zählt nicht zu den Gesellschaftern und wird sich unter anderem um strategische Fragen kümmern. "Wir sind sehr dankbar dafür, dass Zeitfracht uns die erfolgreiche wirtschaftliche Neuausrichtung unseres Unternehmens ermöglicht hat". Ein gemeinsames Mond-Projekt mit der Ariane-Group werde weiter verfolgt. "Wir werden ein Angebot an die Esa abgeben", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Ziel sei eine robotische Mondlandung 2023. Das ursprüngliche Vorhaben, die Landestelle von Apollo 17 zu untersuchen, sei auf Eis gelegt worden. Pläne, Ende 2022 mit der US-Firma Masten Nasa-Fracht zum Mond zu fliegen, würden weiter verfolgt. "Wir haben eine interessante Auftragspipeline", sagt Radloff, der weitere Ingenieure sucht. PTS soll zunächst auch mit einem Darlehen von Zeitfracht finanziert werden.

Zeitfracht-Chef Wolfram Simon-Schröter hatte das Start-up aus der Insolvenz heraus übernommen - als "Investition in die Zukunft", wie er damals sagte. Nun habe Zeitfracht einen "gewissen Prioritätendruck" gehabt, so Radloff über die Gründe des Ausstiegs. PTS wolle die wirtschaftliche Verantwortung für das Unternehmen künftig selbst tragen, sagt Simon-Schröter lediglich. Er bleibt mit einem symbolischen Anteil von einem Prozent an PTS beteiligt. Außerdem arbeitet das Start-up in einigen Bereichen weiterhin für die Logistikfirma.

© SZ vom 22.01.2020
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